Maskiert, brutal, gefilmt – vier Angeklagte stehen in Salzburg für Übergriffe vor Gericht, die sie selbst als „Jagd“ bezeichneten.
Am Landesgericht Salzburg hat am Mittwoch ein Strafprozess im Zusammenhang mit der sogenannten „Pädo Hunter“-Szene begonnen. Vier Angeklagte – drei junge Männer und eine junge Frau – stehen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung sowie versuchten Mordes vor Gericht. In der Verhandlung entschuldigten sich die Beschuldigten bei den Opfern und gaben an, teilweise bereits Entschädigungen geleistet zu haben.
Den Großteil der Vorwürfe räumten sie ein – den Mordversuch jedoch wiesen alle vier zurück. „Ich habe das Pädo-Hunting in den sozialen Medien gesehen und bin einer Gruppe beigetreten. Ich dachte, das wäre etwas Gutes“, erklärte der Hauptangeklagte. Es sei nicht beabsichtigt gewesen, dass die Sache solche Ausmaße annehme.
Organisierte Falle
Als Haupttäter gilt ein 24-jähriger Deutscher, der ebenso wie die übrigen Angeklagten im Pinzgau wohnt. Über die Plattform Telegram geriet er laut Staatsanwaltschaft in Kontakt mit einer Szene, die unter dem Vorwand der Jagd auf Pädophile oder vermeintliche Pädophile gefälschte Profile auf Dating-Plattformen erstellt und Treffen an abgelegenen Orten arrangiert. Die so angelockten Opfer werden anschließend von mehreren maskierten Personen brutal misshandelt und gedemütigt.
„Die Übergriffe werden ‚Hunts‘ genannt, die Gruppen sind österreichweit und teilweise international vernetzt“, erläuterte die Staatsanwältin im Prozess. Die Taten werden gefilmt, die Aufnahmen danach in internen Gruppen sowie auf einschlägigen Foren verbreitet. Auch der 24-Jährige legte im Sommer 2024 einen gefälschten Account an und gab sich dabei als 14-jähriges Mädchen unter dem Profilnamen „Bad Lisa“ aus.
Gemeinsam mit zwei weiteren jungen Männern im Alter von 21 und 22 Jahren sowie der 25-jährigen Freundin des Deutschen beschloss die Gruppe, den Opfern „eine Abreibung zu verpassen.“ Ein erster Versuch im August 2024 scheiterte, weil das Opfer misstrauisch wurde. Am 27. und 31. Oktober 2024 gelang es der Gruppe jedoch, jeweils einen Mann nach Lend im Pinzgau zu locken.
Brutale Übergriffe
Dort wartete die Freundin des Hauptangeklagten als Lockvogel. Nach einer kurzen Begrüßung tauchten die übrigen Angeklagten mit Sturmhauben über dem Kopf auf und schlugen auf Körper und Kopf der Opfer ein, wobei einmal ein Teleskopschlagstock und einmal ein Baseballschläger zum Einsatz kamen. Das erste Opfer erlitt dabei Prellungen, Hämatome, Rissquetschwunden sowie einen Zahnbruch.
Vier Tage nach dem zweiten Überfall schlug die Gruppe erneut zu. Diesmal wurde dem Opfer mit Stahlkappenschuhen auch gegen den Kopf getreten, außerdem wollte man ihm die Haare abrasieren. Die junge Frau filmte beide Übergriffe und sprühte dem Opfer beim zweiten Angriff zudem Pfefferspray ins Gesicht.
Auf dem im Gerichtssaal abgespielten Beweisvideo ist zu hören, wie der Mann wiederholt fleht: „Bitte lasst mich in Ruh. Ich tue euch nichts.“ Dennoch wurden die Misshandlungen fortgesetzt – der Mann erlitt Rippenbrüche, Frakturen im Gesicht sowie eine Gehirnblutung. „Die Taten sind genau auf den Videos zu sehen“, sagte die Staatsanwältin. „Aufgrund der großen Brutalität ist dabei von einer Tötungsabsicht der Beteiligten auszugehen.“
Der Geschworenenprozess wird am Freitag fortgesetzt. Für diesen Tag wird auch ein Urteil erwartet.