Der Kärntner Unternehmer Hannes Jagerhofer verzeichnet einen weiteren wirtschaftlichen Rückschlag. Nach den bereits bekannt gewordenen Insolvenzen der Acts Sportveranstaltungen GmbH und der Houseofweb GmbH muss nun auch die myrobin GmbH Zahlungsunfähigkeit anmelden. Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) bestätigte diese Entwicklung am Donnerstagvormittag.
Der AKV erläutert die Hintergründe der finanziellen Schieflage: Die App-Entwicklung verschlang erhebliche Ressourcen, während zusätzliche Mittel für Vertrieb und Weiterentwicklung ausblieben. „Zahlreiche Gespräche mit potentiellen Geldgebern waren nicht erfolgreich, da derzeit Investitionen in Startup-Unternehmen sehr zurückhaltend vorgenommen werden. Daher konnte die Schuldnerin kein neues Investment finden“, erklärt der Kreditorenverband.
Eine Fortführung des Unternehmens sei angesichts der hohen Entwicklungskosten nicht realisierbar, auch eine Sanierung stehe nicht zur Debatte. Die Verbindlichkeiten belaufen sich laut Insolvenzantrag auf etwa 3,9 Millionen Euro, denen Vermögenswerte von rund 722.590 Euro gegenüberstehen. Dies führt zu einer Überschuldung von circa 3,2 Millionen Euro. Etwa 30 Gläubiger sind von der Insolvenz betroffen. Der Geschäftsbetrieb wurde bereits eingestellt, die formelle Beendigung der Unternehmenstätigkeit ist beantragt.
⇢ Beliebtes Wiener Edel-Lokal ist pleite!
Myrobin-Geschäftsmodell
Das Geschäftsmodell von myrobin basierte auf einem einfachen Prinzip: Privatpersonen, die ohnehin von einem Ort zum anderen reisen, transportieren dabei Pakete und erhalten dafür eine Vergütung. Im Sommer 2023 konnte das Unternehmen durch eine Crowdinvesting-Kampagne rund 900.000 Euro von 466 Investoren einsammeln. Im Oktober desselben Jahres wurde eine Partnerschaft mit den ÖBB verkündet, wie brutkasten berichtete.
Unter den Gesellschaftern befanden sich auch prominente Namen: Mark Mateschitz hielt 11,48 Prozent der Anteile, Herbert Koch 8,35 Prozent und die SevenVentures GmbH 8,49 Prozent. Jagerhofer machte sich einen Namen als Organisator von Beachvolleyball-Turnieren und als Mitgründer der Flugvergleichsplattform checkfelix. Nach dem erfolgreichen Exit bei checkfelix im Jahr 2011 gründete er die Transportdienst-Plattform Checkrobin. Zu den damaligen Geldgebern zählten unter anderem Dietrich Mateschitz, René Benko und Niki Lauda.
⇢ Beliebtes Ottakringer Szenelokal ist pleite!
Revels-Startup
Das Startup revels funktioniert nach dem klassischen Peer-to-Peer-Prinzip und verbindet Käuferinnen mit Verkäuferinnen, wie Gründerin Stephanie Gruber im Gespräch mit brutkasten erläutert. Für jede vermittelte Brautmode erhält die Plattform eine Provision von fünf Prozent. „Damit machen wir keinen Gewinn. Ist aktuell aber bewusst so entschieden, um die Schwelle gering zu halten und Inventar aufzubauen. Konsumenten-Marktplätze gestalten sich hier sehr komplex. Es ist auch angedacht, ab einer gewissen Größe auf Listing-Gebühren umzusatteln – man bezahlt also dann bei Anzeigenerstellung. Das ist aber Zukunftsmusik“, erklärt Gruber.
Was als persönliche Lösung für die Suche nach einem passenden Kleid begann, steht nach dem Unternehmensstart 2024 nun auch Brautmoden-Interessentinnen in Deutschland zur Verfügung. „Als junges Startup möchten wir uns nicht durch Landesgrenzen limitieren lassen. In Deutschland ist der Sekundär-Markt für Brautkleider um einiges etablierter als in Österreich, was es umso spannender macht“, so Gruber.
Für den Markteintritt in Deutschland hat das bislang eigenfinanzierte Unternehmen eine Bewerbung für den Digital Check der WKO eingereicht. Eine Zusage stehe jedoch noch aus, wie Gruber anmerkt. Die einzige externe Unterstützung, die die Jungunternehmerin bisher erhalten habe, sei das Impact Coaching der Wirtschaftsagentur Wien. Das Geschäftsmodell soll weiterhin rein digital bleiben, ohne physische Verkaufsflächen.
⇢ Kunden entsetzt: Beliebte Bäckerei ist pleite!
„Wir kaufen außerdem auch weiterhin keine Ware an, weil das bei Brautmode einen extremen finanziellen Aufwand bedeuten würde und wir dann nicht so agil handeln könnten“. Für 2025 plant revels Kooperationen mit stationären Geschäften, vorrangig in Deutschland. Dadurch könne das Angebot schnell erweitert und gleichzeitig traditionellen Secondhand-Brautmodengeschäften mit begrenzter digitaler Expertise geholfen werden, erläutert Gruber.
Die Digitalisierung des Inventars dieser Läden würde es einem breiteren Publikum zugänglich machen. Darüber hinaus sollen die Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität der Website weiterentwickelt werden, um das Konzept der Secondhand-Brautmode zugänglicher zu gestalten.
Das Ziel sei, „eine echte und gleichwertige Alternative zum Kauf von primärer Ware geboten wird“, so Gruber, „denn Second Hand soll die erste Wahl werden“.