Nach jahrelangem Warten erfüllen sich Alaba und Arnautovic ihren größten Traum: Die WM-Qualifikation krönt ihre Karrieren und schweißt das ÖFB-Team zur Familie zusammen.
David Alaba und Marko Arnautovic haben endlich das letzte fehlende Puzzlestück in ihrer Karriere ergänzt: die Qualifikation für eine Fußball-Weltmeisterschaft. „Wenn man sich meinen Karriereverlauf anschaut, ist das das Einzige, was mir irgendwo gefehlt hat. Es ist etwas, wovon ich als Kind geträumt habe“, erklärte Alaba nach dem entscheidenden 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina. „Das ist wirklich etwas sehr Spezielles.“ Die Endrunden 2010, 2014, 2018 und 2022 musste der Ausnahmekönner von Bayern München und später Real Madrid noch von der Ferne verfolgen. „Es ist noch einmal emotionaler, wenn man es über die Jahre versucht und nie geschafft hat“, gab Alaba zu verstehen. Er verwies darauf, dass er dieses Schicksal mit anderen Teamkollegen teile und nannte namentlich Arnautovic und Sabitzer. „Wir versuchen es wirklich seit einer geraumen Zeit. Wenn dieser Moment eintritt, ist das etwas Besonderes für jeden Einzelnen von uns. Wir wollen diesen Moment genießen und sind wirklich sehr, sehr stolz auf uns.“
Das Schlüsselspiel verfolgte Alaba aufgrund seiner Wadenprobleme zunächst von der Ersatzbank. Dennoch nahm er eine entscheidende Rolle ein – als Motivator, Sprachrohr und offenbar auch als taktischer Berater für Teamchef Ralf Rangnick. Der Abwehrchef berichtete, wie er den späteren Matchwinner Michael Gregoritsch kontaktierte, um dessen Bereitschaft für eine Einwechslung zu erfragen. „Dann bin ich zum Trainer gegangen und habe gesagt, wir brauchen einen zweiten Stürmer, wir brauchen ‚Gregerl‘.“ Gregoritschs Treffer in der 77. Minute machte schließlich Alabas geplanten Einsatz überflüssig, der bei einem Rückstand für die Schlussphase vorgesehen war.
⇢ Nach 28 Jahren: ÖFB-Helden erfahren WM-Gegner an DIESEM Tag
„Mir geht’s gut, aber das Risiko war noch ein bisschen zu hoch, um das Spiel zu beginnen“, erläuterte der 33-Jährige seine körperliche Verfassung. „Für mich war es natürlich nicht so einfach von außen, aber ich habe versucht, die Mannschaft zu unterstützen. Der Trainer wollte mich auch einwechseln. Dann ist Gott sei Dank das Tor gefallen. Das hat die Situation natürlich verändert.“
Teamgeist als Schlüssel
Die Auswirkungen reichten weit über Alabas persönliche Situation hinaus. „Wie das Tor fällt, zeigt einfach den Charakter unserer Mannschaft, den Willen, den wir innerhalb der Mannschaft haben“, betonte der Kapitän. „Wir lassen uns nicht hängen, wir geben nie auf. Wir sind wirklich eine Familie.“ Der ÖFB-Star beschrieb die Partie gegen Bosnien-Herzegowina als „Achterbahn“. Bei Betrachtung der gesamten Qualifikationsphase habe sich das österreichische Team die WM-Teilnahme jedoch „wirklich verdient“.
Während Alabas Vater am Spieltag seinen Geburtstag feierte, schlug Arnautovic vor, den 18. November aufgrund der historischen WM-Qualifikation gleich zum Feiertag zu erklären. „Die Jungs sind jünger als ich“, merkte Österreichs Rekordspieler an. „Aber es ist meine zweite Familie. Was wir außerhalb vom Platz haben, ist außergewöhnlich.“ Für den Routinier war es nach eigener Aussage das bedeutendste Spiel seiner Laufbahn.
⇢ Bosnien zittert vor Arnautović: „Gebe 120 Prozent für WM-Ticket
Arnautovics Bekenntnis
Das Turnier in Nordamerika dürfte für den Angreifer vermutlich den letzten großen internationalen Auftritt markieren. „Alle haben sich diese WM verdient“, unterstrich der 36-Jährige. „Seit vier oder fünf Jahren habe ich Stress mit meiner Frau, die sagt, kannst du bitte zu Hause bleiben, du bist schon alt. Das, was wir am Platz haben, ist ein Bonus, das, was wir außerhalb vom Platz haben, das ist außergewöhnlich“, so Arnautovic.
„Ich sage es ehrlich: Ich muss gar nicht spielen, ich muss nur hier sein.“
Diese Einstellung teilt auch Sabitzer, der nach dem Abpfiff einen Moment der Besinnung auf dem Rasen suchte. Der Mittelfeldspieler könnte im kommenden Jahr nach Arnautovic (130 Länderspiele) und Alaba (111) ebenfalls die 100-Länderspiele-Marke erreichen. Lediglich fünf Partien fehlen ihm noch. Sollte der Steirer alle vier Testbegegnungen im Frühjahr absolvieren, könnte ausgerechnet das WM-Auftaktmatch sein persönliches Jubiläumsspiel werden.
⇢ Millionen-Jackpot winkt: Österreich zittert vor Bosnien-Kracher