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Frostschatz

Minus 9 Grad: Kroatiens flüssiges Gold kehrt nach Jahren zurück

Minus 9 Grad: Kroatiens flüssiges Gold kehrt nach Jahren zurück
(Symbolbild FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

Kroatiens Winzer feiern ein seltenes Geschenk der Kälte: Die Jänner-Frostperiode ermöglichte nach Jahren wieder die Produktion des flüssigen Goldes – Eiswein.

Die eisigen Jännertemperaturen, die vielerorts für Probleme sorgten, bescherten kroatischen Winzern ein seltenes Geschenk: die Möglichkeit zur Eisweinproduktion. Diese exklusive Weinspezialität, die nur bei anhaltenden Minusgraden hergestellt werden kann, wird durch den Klimawandel zunehmend zur Rarität. In Kroatien gelingt eine Eisweinernte mittlerweile nur noch etwa alle fünf Jahre. Die gefrorenen Trauben ergeben einen intensiv süßen, sirupartigen Wein mit außergewöhnlich hohem Zuckergehalt. Diese Spezialität reift jahrzehntelang, wird meist nur zu besonderen Anlässen genossen und erzielt Spitzenpreise sowohl bei heimischen Konsumenten als auch in der Spitzengastronomie.

Seltene Ernte

Das renommierte Weingut Kutjevo nutzte die Kältewelle im ersten Jännerdrittel für eine seltene Eisweinernte. Chefönologe Ivan Marinclin berichtet, dass etwa 30 Mitarbeiter die gefrorenen Trauben innerhalb von zwei Morgenstunden von Hand lasen. Auf 0,8 Hektar des traditionsreichen Weinbergs Hrnjevac wurden Trauben für 850 Liter Most geerntet. „Abgesehen von der Kälte war die Ernte nicht besonders schwierig, da die Reben bereits kahl waren“, erläutert Marinclin.

Der dickflüssige Most durchläuft nun eine bis zu einjährige Gärphase und wird voraussichtlich einen Alkoholgehalt zwischen 9 und 13 Prozent erreichen. Kutjevo kann nur etwa alle fünf bis sieben Jahre Eiswein produzieren. Der Jahrgang 2018 kostet derzeit 87 Euro pro 0,375-Liter-Flasche. Für den aktuellen Jahrgang rechnet Marinclin mit einem Verkaufspreis von rund 100 Euro. „Der Most ist in hervorragendem Zustand“, betont er und erinnert daran, dass früher jährliche Eisweinproduktion möglich war, während man heute vollständig von günstigen Wetterbedingungen abhängig ist.

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Regionale Ernten

Die Kältewelle erreichte auch Kroatiens östlichste Weinregion. In Principovac bei Ilok fielen die Temperaturen auf minus neun Grad, was dem Weingut Iločki podrumi eine bedeutende Eisweinernte ermöglichte. Rund 30 Helfer brachten 1.400 Kilogramm Trauben ein, die etwa 700 Liter Most und letztendlich rund 500 Liter Eiswein ergeben werden. Chefönologin Ivana Raguž beschreibt die besonderen Herausforderungen: „Die extreme Kälte erschwerte die Arbeit, zudem mussten wir die Schutznetze von den Traminer-Reben entfernen.“

Die letzte Eisweinernte des Betriebs lag drei Jahre zurück. Nach der Gärung reift der Wein in Fässern und wird frühestens in zwei Jahren marktreif sein. „Wir kalkulieren mit etwa 100 Euro pro Flasche“, erklärt Raguž. „Der Absatz erfolgt problemlos, hauptsächlich im Inland. Eisweine werden typischerweise für besondere Anlässe oder als repräsentative Geschenke erworben.“

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Kleinerzeuger-Perspektive

Auch kleinere Produzenten nutzten die seltene Gelegenheit. Mladen Papak vom Weingut Vina Papak in Ilok verbrachte mit 15 Helfern drei Stunden bei minus acht Grad im Weinberg. „Die Trauben ließen sich leicht ernten, da sie blattlos waren“, berichtet Papak, der die Trauben im gefrorenen Zustand keltern ließ. Für ihn war es die dritte Eisweinlese, die er etwa alle fünf Jahre durchführen kann.

Nach früheren Erfahrungen mit Traminer setzte er diesmal auf die Sorte Graševina. Die Ausbeute betrug lediglich 300 Liter Most – nur fünf bis zehn Prozent der üblichen Erntemenge. Papak verkauft seinen Eiswein für 55 Euro pro Flasche und betont: „Nicht jeder kann Eiswein produzieren. Es zeigt die Fähigkeiten kleiner Erzeuger und dient uns auch als Werbung, obwohl die Arbeit anspruchsvoll ist und viele Winzer davor zurückschrecken.“

Nicht alle Branchenvertreter teilen die Begeisterung. Der erfahrene Winzer Vlado Krauthaker reagierte mit humorvoller Ablehnung auf die Frage nach seiner Beteiligung an der Eisweinernte. „Diese Ernte ist mir fremd“, scherzte er. „Das ist gefrorenes Zuschlagmaterial – nicht mein Geschmack. Das überlasse ich den großen Betrieben, die den richtigen Erntezeitpunkt verpassen.“

Die extremen Frosttemperaturen haben jedenfalls eine selten gewordene Tradition kurzzeitig wiederbelebt und ermöglichten die Produktion einiger der exklusivsten und begehrtesten Weine Kroatiens – ungeachtet unterschiedlicher Meinungen in der Branche.

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