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Bürgerprotest

Mostar: Müll neben der Neretva abgeladen – Anwohner protestieren

Mostar: Müll neben der Neretva abgeladen – Anwohner protestieren
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Mitten in der Nacht, unangekündigt und unter dem Deckmantel der Stille – in Vrapčići eskalierte eine kommunale Aktion zum offenen Bürgerprotest.

Noch in der Dunkelheit der frühen Morgenstunden rückten Baumaschinen und Mitarbeiter der kommunalen Dienste in Vrapčići an – und gruben den Zugangsweg zu einem seit Jahrzehnten brachliegenden Schwimmbadkomplex auf. Was folgte, war keine geordnete Aktion der Stadtverwaltung, sondern der Beginn eines handfesten Bürgerprotests.

Der Komplex, in den 1980er-Jahren errichtet, aber nie in Betrieb genommen, liegt unmittelbar an der Neretva und am Mostarsko jezero, nahe der Magistralstraße M-17. Rund 40 Dunum (bosnisches Flächenmaß, umgerechnet 4 Hektar) Land umfassen die alten Becken – und genau hier sollte in der Nacht, ohne Vorwarnung, Müll aus Mostar abgekippt werden. Als die ersten Anwohner bemerkten, was sich anbahnte, war bereits eine beträchtliche Menge abgeladen worden. Sie versammelten sich spontan, blockierten die Zufahrt und verhinderten die weitere Ablagerung.

Ökologische Bombe

„Heute Morgen wurden wir von einer schrecklichen Überraschung empfangen“, schilderte Alija Maric, Vorsitzender des Umweltvereins Vrapčići, die Lage vor Ort. „Je mehr ich darüber nachdenke, desto unklarer wird mir, wem eine solche Idee überhaupt in den Sinn kommen konnte.“ Maric warnt eindringlich vor den Folgen: Bei steigendem Wasserstand könnte der Müll in den See gelangen – mit ernsthaften Konsequenzen für das gesamte Ökosystem. Käme es zudem zu einem Brand, würde der Rauch die Luftqualität in der gesamten Region belasten. „Aus ökologischer Sicht ist das, gelinde gesagt, eine echte Katastrophe“, so Maric.

Politischer Widerstand

Unter Polizeiaufsicht harrten Bürger und Aktivisten am Ort des Geschehens aus. Auch politische Vertreter aus Stadt und Kanton fanden sich ein. Stadtrat Amer Macic stellte sich klar auf die Seite der Protestierenden und richtete scharfe Worte an Bürgermeister Mario Kordic sowie die städtische Fachabteilung für Zivilschutz, die das Becken offenbar als vorübergehende Umschlagstation für Mostarer Müll vorsehen.

„Unser Stadtgebiet sowie die Siedlungen Bijelo Polje und Vrapčići haben bereits eine erhebliche Last getragen, wenn es um die Entsorgung von Müll aus Mostar geht“, erklärte Macic. Die Nähe zum See und die damit verbundene Gefahr einer Wasserverschmutzung machten diesen Standort vollkommen ungeeignet. Sobald die Bürger erkannt hätten, dass ein Weg zu den Becken angelegt werde, hätten sie begonnen, sich zu versammeln und ihre gewählten Vertreter zu kontaktieren.

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KO KOSMO-Redaktion
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