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Ermittlungen

Sarajevo-Unfall deckt Korruptions-System bei Straßenbahn auf

Sarajevo-Unfall deckt Korruptions-System bei Straßenbahn auf
FOTO: iStock/Vedad Ceric/Screenshot
4 Min. Lesezeit |

Ein Toter, Schwerverletzte – und nun rückt ein ganzes System ins Visier der Ermittler. Der Straßenbahnunfall in Sarajevo hat weitreichende Folgen.

Dreizehn Tage nach dem Straßenbahnunfall in Sarajevo, bei dem ein 23-jähriger Student ums Leben kam und ein 17-jähriges Mädchen schwer verletzt wurde, hat die Staatsanwaltschaft erste offizielle Ermittlungsergebnisse präsentiert. Der Unfall hatte sich am 12. Feber um 12:02 Uhr in der Nähe des Landesmuseums ereignet. Nach Angaben der Polizei war die Straßenbahn unter der Führung von Fahrer A. K. aus Richtung des Bahnhofs unterwegs.

Beim Abbiegen nach links an der betreffenden Kreuzung entgleiste das Fahrzeug an der Museumshaltestelle und kam auf der Fahrbahn zum Stillstand. Neben dem getöteten Studenten wurden vier weitere Personen verletzt – zwei davon schwer, zwei leicht. Zu den Schwerverletzten zählt auch die minderjährige Schülerin, die noch am Unfallort ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

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Institutionelle Versäumnisse

Die Ermittlungen beschränken sich jedoch nicht auf den Unfallhergang selbst. Im Fokus stehen auch ernsthafte Verdachtsmomente auf institutionelle Versäumnisse und mögliche Wirtschaftskriminalität innerhalb des städtischen Verkehrsunternehmens GRAS – konkret ein defektes Videoüberwachungssystem sowie fragwürdige Vergabeverfahren bei öffentlichen Ausschreibungen. Besonderes Gewicht legte die leitende Kantonsstaatsanwältin Meliha Dugalija auf den Befund zur Videoüberwachung in der am Unfall beteiligten Straßenbahn: „Es wurde festgestellt, dass die letzte gespeicherte Aufnahme auf der Festplatte vom 29. November 2025 stammt. Derzeit laufen detaillierte forensische Analysen, und Aufnahmen von umliegenden Gebäuden werden gesichert – darunter auch jene vom Gebäude der US-Botschaft.“

Zum Zustand der Videoüberwachung in den übrigen Fahrzeugen des Unternehmens ergänzte Dugalija: „Das Unternehmen BS Telecom Solutions war mit der Montage und Installation der Videoüberwachungsanlagen in den Straßenbahnen beauftragt und hat diese auch durchgeführt. Bislang konnten jedoch keine Unterlagen zu einer öffentlichen Ausschreibung für die Wartung dieses Systems beschafft werden. Die Ermittlungen werden gezielt klären, wessen Versäumnisse dazu geführt haben, dass die Systeme nicht gewartet wurden.“

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Darüber hinaus bestätigte die Staatsanwaltschaft den Eingang einer anonymen Strafanzeige, die sich auf verdächtige Ausschreibungsverfahren im Zusammenhang mit Magnetbremsen bezieht. „Nach Eingang der Anzeige wurden Daten vom Antikorruptionsbüro des Kantons Sarajevo eingeholt. Auf richterliche Anordnung wurde die entsprechende Dokumentation bei GRAS und dem Unternehmen Viklar Promet d.o.o. vorläufig beschlagnahmt, zudem wurde die Befragung von Zeugen angeordnet“, so Dugalija.

Fahrer & Zeugen

Der Leiter der Polizeibehörde des Innenministeriums des Kantons Sarajevo, Fatmir Hajdarevic, schilderte auf der Pressekonferenz den Ablauf der Ereignisse und nahm dabei auch zu Medienberichten Stellung, wonach bei der Befragung des Fahrers der Direktor von GRAS anwesend gewesen sein soll. „Es wurde eindeutig festgestellt, dass bei der Befragung des Verdächtigen – abgesehen von seinem Verteidiger und den zuständigen Beamten – keine weiteren Personen zugegen waren“, erklärte Hajdarevic. Bis Mittwoch seien insgesamt 50 Zeugen befragt worden. Zudem habe ein unmittelbar nach dem Unfall durchgeführter Alkoholtest beim Fahrer keinerlei Alkohol im Blut ergeben.

Dugalija unterstrich den umfassenden Ansatz der Ermittlungen: „Wir überprüfen auch die Umstände weiterer Straßenbahnunfälle, die sich am selben Tag ereignet haben – darunter eine Kollision an der Wendeschleife Ilidza.“ Die Ermittlungen zielten nicht allein auf die Feststellung eines Kausalzusammenhangs zwischen dem Verhalten des Fahrers, dem technischen Zustand der Straßenbahn, den Schienen und der Infrastruktur ab. „Unser Ansatz ist offen und nicht selektiv – wir ermitteln die gesamte Verantwortungskette innerhalb des öffentlichen Unternehmens GRAS und der zuständigen Behörden“, so Dugalija.

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KO KOSMO-Redaktion
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