Ein Handyvideo aus Vorarlberg geht viral – und zeigt eine Polizeiaktion, die nun Behörden und Anwälte beschäftigt.
Ein in sozialen Netzwerken kursierendes Handyvideo sorgt in Vorarlberg für erhitzte Gemüter: Aufgenommen wurde eine polizeiliche Maßnahme vom Donnerstagabend, auf der zu sehen ist, wie ein flüchtiger Mopedfahrer durch ein Polizeifahrzeug gestoppt wird und ein Beamter den Jugendlichen anschließend offenbar schlägt – obwohl dieser keinen Widerstand leistet. Der Vater des 15-Jährigen hat bereits angekündigt, rechtliche Schritte in Betracht zu ziehen.
Der Jugendliche war am Donnerstagabend in Ludesch einer Zivilstreife aufgefallen, weil sein Moped kein Kennzeichen trug. Laut Polizeibericht ignorierte er daraufhin das eingeschaltete Blaulicht sowie das Folgetonhorn und ergriff die Flucht. Das Video zeigt, wie der Mopedfahrer in einem Feld zu Sturz kommt. Die Polizei bestreitet jedoch, dass das Fahrzeug das Moped dabei berührt habe.
Vorfall auf Video
In der Aufnahme ist zu erkennen, wie das Polizeiauto dem Moped den Weg versperrt und der Jugendliche in der Folge stürzt. Eine Polizistin verlässt das Fahrzeug, woraufhin der Jugendliche aufsteht und die Hände hebt. Anschließend nimmt er seinen Helm ab. Dann tritt ein männlicher Beamter hinzu, geht auf den Jungen zu und stößt ihn nieder – oder schlägt ihn zu Boden. Die Personen, die das Video aufnehmen, reagieren darauf mit lautem Protest.
@meinvorarlberg 🚔 Verfolgungsjagd quer durchs Feld in Ludesch. Die Stimme im Video gehört dem Augenzeugen, der alles live gesehen hat. #vorarlberg #ludesch #polizei #verfolgungsjagd #moped #news #volat #fyp ♬ Originalton – VOL.AT
Seit Donnerstag wurde die Aufnahme tausendfach in sozialen Medien verbreitet und löste teils heftige Reaktionen aus. Die Kommentare bewegen sich zwischen Verständnis für das erkennbar harte Vorgehen des Beamten und dem Vorwurf unverhältnismäßiger Polizeigewalt. Die konkrete Maßnahme selbst ist auf dem Video allerdings nicht eindeutig zu erkennen.
Gegenüber dem ORF erklärte der Vater des Mopedlenkers am Freitag, er werde rechtliche Schritte prüfen. Derzeit halte er sich im Ausland auf, wolle sich jedoch in der kommenden Woche mit einem Rechtsanwalt besprechen.
Polizeiliche Aufarbeitung
Ebenfalls auf ORF-Anfrage teilte die Polizei am Freitag mit, den Vorfall einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Ob das Handeln der Beamten den gesetzlichen Vorgaben entsprochen habe, solle auf Basis einer sorgfältigen Überprüfung „sämtlicher relevanter Umstände des Vorfalls“ beurteilt werden.
Die entsprechenden Berichte würden an die zuständigen Behörden weitergeleitet, hieß es seitens der Polizei: „Die Landespolizeidirektion Vorarlberg legt großen Wert auf eine objektive, transparente und rechtsstaatliche Aufarbeitung von Amtshandlungen.“ Sollte sich daraus weiterer Handlungsbedarf ergeben, würden entsprechende Maßnahmen gesetzt.
Dem Polizeibericht zufolge wurde der Lenker von Beamten mit Körperkraft zu Boden gebracht und seine Identität festgestellt. Nach Abschluss der Identitätsfeststellung habe sich der 15-Jährige kooperativ gezeigt. Wegen mehrerer Verwaltungsübertretungen wird er bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft angezeigt.