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Schattenwirtschaft

Schwarzarbeit boomt wieder: 7,5 Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung

(FOTO: iStock/Bogdanhoda)
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In Österreichs Schattenwirtschaft blüht die Schwarzarbeit weiterhin. Eine Praxis, die von der Mehrheit der Bevölkerung mit Nachsicht betrachtet wird. Eine aktuelle Studie offenbart, dass ungefähr zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher es für akzeptabel halten, sich gewisse Dienstleistungen ohne offizielle Abrechnung zu beschaffen.

Viele Bürgerinnen und Bürger sehen in der Nichtanmeldung von Dienstleistern eine Möglichkeit, Dienstleistungen überhaupt erst finanzieren zu können. Etwa die Hälfte der Befragten sieht die hohen Steuern als Triebfeder für ihr Handeln, während eine klare Minderheit glaubt, dass man gegen Schwarzarbeit vorgehen sollte. Eine große Mehrheit empfindet, dass staatliche Mittel verschwenderisch verwendet werden, was ihren Griff zur Schwarzarbeit zusätzlich motiviert.

Wirtschaftliche Dimension

Friedrich Schneider, ein renommierter Ökonom, schätzt das Volumen der Schwarzarbeit auf beeindruckende 34,5 Milliarden Euro. Damit beläuft sich die Schattenwirtschaft auf beachtliche 7,5 Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung Österreichs. Interessanterweise entsteht ein Großteil dieser unversteuerten Wertschöpfung durch Personen, die auch in offiziellen Arbeitsverhältnissen stehen. Eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen auch organisierte Kriminalität und Arbeitslose im Kontext der Schwarzarbeit.

Ohne Pfusch keine Häuser?

Schneider betont zudem, dass ein erheblicher Teil der Schwarzarbeit zu keiner Nachfrage am offiziellen Markt führen würde. Besonders im Bereich des Wohnungsbaus scheint Schwarzarbeit eine signifikante Rolle zu spielen. Erwähnenswert ist auch, dass ein Großteil des auf diese Weise verdienten Geldes wieder in die offizielle Wirtschaft zurückfließt.

Wer zahlt den Preis?

Trotz der Vorteile für einzelne Konsumenten, zahlen vor allem staatliche Einrichtungen und Sozialversicherungen den Preis für diese Praxis – mit geschätzten Verlusten zwischen 1,5 und 2,5 Milliarden Euro jährlich. Eine interessante Feststellung ist jedoch, dass die direkten Steuerverluste als weniger gravierend angesehen werden, da das Schwarzgeld häufig schnell wieder im offiziellen Wirtschaftskreislauf landet.

Maßnahmen gegen Schwarzarbeit

Als mögliche Lösungsansätze schlägt Schneider die Weiterführung steuerlicher Begünstigungen, die Senkung der Lohnnebenkosten und strikte Sanktionen gegen Unternehmen vor, die in Schwarzarbeit involviert sind. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Handwerkerbonus, der das Volumen der Schwarzarbeit signifikant zu reduzieren vermag.

Internationaler Vergleich

Blickt man über die Grenzen hinaus, zeigt sich, dass Österreich im europäischen Vergleich relativ wenig Schwarzarbeit aufweist – ein Phänomen, das vor allem in Ländern wie Bulgarien, Rumänien und Kroatien in weit größerem Umfang zu beobachten ist.