Bodentruppen, Blockaden, Eskalation: Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran nimmt eine neue, bedrohliche Dimension an.
Die Berichte über einen möglichen Einsatz amerikanischer Bodentruppen im Iran verdichten sich. Wie die „Washington Post“ am Samstag (Ortszeit) berichtete, bereite das Pentagon eine „wochenlange“ Bodenoffensive vor.
Den Angaben der Zeitung zufolge soll die potenzielle Offensive kombinierte Einsätze regulärer Infanterieeinheiten und Spezialkräfte umfassen, jedoch nicht als vollständige Invasion konzipiert sein. Das US-Verteidigungsministerium, das von Präsident Donald Trump in „Kriegsministerium“ umbenannt wurde, plane für einen solchen Einsatz einen Zeitraum von mehreren Wochen ein. Ob Trump die Pläne tatsächlich genehmigen will, blieb zunächst offen.
Anonym gebliebene Quellen der „Washington Post“, die Einblick in die hochsensiblen Militärplanungen haben, bestätigten, dass die Vorbereitungen für eine mögliche Bodenoffensive bereits seit Wochen laufen. Auch das Portal Axios hatte wenige Tage zuvor über Militärpläne berichtet, die für einen „finalen Schlag“ zur Beendigung des Kriegs gegen den Iran neben Luftangriffen auch den Einsatz von Bodentruppen vorsehen. Konkret umfassen mögliche Szenarien laut Axios die Einnahme oder Blockade strategisch bedeutsamer Inseln in der Straße von Hormus, darunter Charg, über die der Iran einen Großteil seiner Erdölexporte abwickelt.
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Eskalation am Boden
Ein Einsatz am Boden würde den Konflikt in eine gefährliche neue Eskalationsstufe treiben, so die Einschätzung der Zeitung. US-Soldaten wären dabei erheblich größeren Risiken ausgesetzt als bisher – darunter Drohnen- und Raketenbeschuss, direkte Gefechte sowie improvisierte Sprengvorrichtungen. Washington hat bereits Marineinfanteristen in den Nahen Osten verlegt und erwägt die Entsendung Tausender weiterer Soldaten der 82. Luftlandedivision in die Region.
Ein erstes Kontingent traf am Freitag an Bord eines Schiffs für amphibische Angriffe ein. Auch das „Wall Street Journal“ hatte berichtet, dass es sich bei den bis zu 10.000 zusätzlichen US-Soldaten, deren Verlegung in Erwägung gezogen werde, voraussichtlich um Infanteristen handeln dürfte.
Teheran reagierte am Sonntag mit einer deutlichen Warnung an Washington. Der Iran sei auf einen solchen Schritt vorbereitet, erklärte Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf. Gleichzeitig warf er den USA vor, unter dem Deckmantel diplomatischer Verhandlungsangebote im Verborgenen einen Bodenangriff vorzubereiten. „Solange die Amerikaner die Kapitulation des Iran anstreben, lautet unsere Antwort, dass wir niemals eine Demütigung akzeptieren werden“, so Ghalibaf.
Schwere Angriffe
Iran und Israel setzten ihre gegenseitigen Angriffe am Wochenende unvermindert fort. Die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete, Raketen seien in einem Wohngebiet südlich von Teheran eingeschlagen und hätten zehn Todesopfer gefordert. Iranische Staatsmedien berichteten zudem, Israel und die USA hätten einen Hafen nahe der Straße von Hormus angegriffen, wobei fünf Menschen ums Leben gekommen seien.
Das israelische Militär bestätigte Angriffe auf die iranische Hauptstadt Teheran sowie weitere Landesteile. Als Ziele wurden Einrichtungen der iranischen Machtinfrastruktur genannt, darunter Produktionsstätten für Raketen und Drohnen. Das in den USA ansässige Menschenrechtsnetzwerk HRANA bezeichnete die Angriffe der vergangenen Tage auf den Iran als die schwersten seit Kriegsbeginn. Nach Angaben von HRANA wurden mehr als 3.400 Menschen getötet, darunter mindestens 1.500 Zivilistinnen und Zivilisten.
Der Iran setzte seinerseits die Raketenangriffe auf Israel fort. Im Umfeld der Wüstenstadt Beerscheva im Süden Israels wurden mehrere Menschen verletzt. In einer Chemiefabrik brach nach einem iranischen Treffer Feuer aus, eine massive Rauchwolke stieg über dem Gelände auf. Das Umweltministerium sah keine Gefahr für die Bevölkerung.
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Ein weiterer Angriff richtete sich gegen die Wüstenstadt Dimona in der Negev-Wüste, die in unmittelbarer Nähe des israelischen Atomreaktors liegt. Bereits eine Woche zuvor hatte ein Angriff auf den Ort Dutzende Verletzte und erhebliche Zerstörungen in einem Wohngebiet verursacht. Mehrere Golfstaaten meldeten Schäden, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate nach einem Angriff auf ein Metallwerk in Abu Dhabi, bei dem es laut offiziellen Angaben auch mehrere Verletzte gab.
Katar, Bahrain, Kuwait und Saudi-Arabien verzeichneten ebenfalls neue Angriffe. In Kuwait zielten einige davon auf das Umfeld des internationalen Flughafens Kuwait-Stadt und richteten erhebliche Schäden am Radarsystem an. Bei einem iranischen Raketenangriff auf ein Militärlager wurden zehn kuwaitische Soldaten verletzt.
Staatliche iranische Medien verbreiteten unterdessen eine Botschaft des politischen und geistlichen Führers Ajatollah Modschtaba Chamenei, in der er dem irakischen Volk und der dortigen religiösen Führung für die Unterstützung des Iran dankte. Chamenei war nach der Tötung seines Vaters zu Kriegsbeginn zu dessen Nachfolger ernannt worden. Er soll selbst verletzt worden sein. Seit seiner Ernennung ist er öffentlich nicht mehr in Erscheinung getreten, was Spekulationen über seinen Gesundheitszustand anheizt.
Auf Einladung Pakistans kamen unterdessen die Außenminister Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Türkei zu zweitägigen Gesprächen in Islamabad zusammen, um über mögliche Wege zur Deeskalation des Kriegs zu beraten.
Die Berichte amerikanischer Medien über die Vorbereitung einer Bodenoffensive durch das Pentagon stellen die angekündigten diplomatischen Bemühungen dabei grundsätzlich infrage.