Die Ukraine drängt weiter Richtung EU – doch in der europäischen Bevölkerung nimmt die Unterstützung für einen schnellen Beitritt ab.
Die Unterstützung für einen schnellen EU-Beitritt der Ukraine nimmt in der Europäischen Union ab. Nach einer aktuellen Erhebung der Bertelsmann-Stiftung sprechen sich 47 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger dafür aus, die Ukraine in den kommenden Jahren aufzunehmen, 53 Prozent sind dagegen.
In der Ukraine selbst bleibt die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft deutlich höher, wobei die Werte je nach Erhebung schwanken. Eine im Februar veröffentlichte Umfrage des Razumkov-Zentrums kam auf 83 Prozent Zustimmung, jüngere Erhebungen im Frühjahr und Sommer auf Werte zwischen 65 und 70 Prozent.
Deutschland besonders skeptisch
Auch in Deutschland ist die Zustimmung deutlich gesunken. Das Land ist inzwischen der größte einzelne europäische Geber für die Ukraine in absoluten Zahlen, dennoch unterstützen nur 41 Prozent der Befragten einen Beitritt der Ukraine in den kommenden Jahren. Zu Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 lag die Zustimmung noch bei rund 60 Prozent.
Unter den zehn größten EU-Staaten liegt die Zustimmung nur in Rumänien mit 40 Prozent noch niedriger. Schweden weist in dieser Gruppe mit 69 Prozent die höchste Unterstützung für eine rasche Aufnahme auf. Die aktuelle EU-weite Befragung wurde im Juni unter 16.795 Menschen in allen 27 Mitgliedstaaten durchgeführt.
Lücke zwischen Politik und Bevölkerung
Die EU-Mitgliedschaft der Ukraine bleibt ein erklärtes politisches Ziel, der Beitrittsprozess ist jedoch an zahlreiche Reformen und die Zustimmung aller Mitgliedstaaten gebunden. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Umfragedaten eine wachsende Distanz zwischen dem politischen Integrationskurs und der öffentlichen Meinung in mehreren EU-Staaten.
Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt deshalb einen stärkeren Dialog mit der Bevölkerung. Die politischen und sicherheitspolitischen Gründe für eine weitere Integration der Ukraine müssten nachvollziehbarer erklärt und bestehende Bedenken stärker aufgegriffen werden.