Start NEWS SPORT “Wir haben die Leistung nicht auf den Punkt gebracht, da ist Kritik...
INTERVIEW

“Wir haben die Leistung nicht auf den Punkt gebracht, da ist Kritik legitim.”

Aleksandar Dragovic 2017
(FOTO: Facebook)

Aleksandar Dragović blickt auf eine holprige Debütsaison bei Bayer 04 Leverkusen zurück. Mit dem Einzug ins Achtelfinale der Champions League wusste die Werkself zwar international zu überzeugen, in der Liga wurden die Erwartungen mit Rang 12 aber deutlich verfehlt. Der ÖFB-Internationale zieht Bilanz und spricht über die bevorstehende Aufgabe mit dem Nationalteam.

Leverkusen wurde vor der Saison als potentieller Bayern München-Jäger eingestuft und musste am Schluss um den Klassenerhalt zittern – wie lässt sich das erklären und was nimmt man mit?
Es war eine schwierige Saison, keine Frage. Wir sind sehr gut aufgestellt und mit ambitionierten Zielen in das Jahr gestartet, haben aber keine Konstanz in unsere Leistung gebracht und uns das Leben selber unnötig schwer gemacht. Mit dem ausbleibenden Erfolg ist die Verunsicherung gewachsen, dann kam der Trainerwechsel hinzu und am Ende ist es nur noch darum gegangen die Klasse zu halten. Im Anbetracht der Tatsache was wir an Qualität in unseren Reihen haben, ist das natürlich extrem enttäuschend. Trotzdem wurden wir von den Fans speziell in den letzten Runden sensationell unterstützt. Wir wissen, dass wir einiges gut zu machen haben.

LESEN SIE AUCH: „Ich habe meinen ganzen Frust in der Therapie ausgelebt.”

Aleksandar Dragović ist nach seiner Sehnenverletzung im Oberschenkel wieder ins Leverkusner Mannschaftstraining eingestiegen. Am Freitag gastiert die Werkself in Augsburg.

Du bist in der Saison 2016/17 auf insgesamt 19 Einsätze gekommen, was bleibt positiv in Erinnerung und wo siehst du Verbesserungspotential?
Es war speziell am Anfang schwierig Fuß fassen. Der Wechsel von Kiew nach Leverkusen hat sich ziemlich in die Länge gezogen, damit habe ich die Vorbereitung mit der Mannschaft versäumt und bin erst am 2. Spieltag eingestiegen. Ich habe mein Spiel binnen kürzester Zeit umstellen müssen, da passieren natürlich auch Fehler. Nach der Wintervorbereitung war ich leistungsmäßig und punkto Fitness dort wo ich hin wollte, die Sehnenverletzung beim Rückrundenstart hat mich dann wieder ordentlich zurückgeworfen. Ich habe intensiv therapiert und viel Geduld zeigen müssen, leider hat sich die Sache in die Länge gezogen. Als ich dann wieder ins Mannschaftstraining einsteigen konnte, war bereits sehr viel kollektive Verunsicherung drinnen. Das hat das Comeback erschwert, trotzdem habe ich nie locker gelassen. Ich hatte sicherlich das eine oder andere schlechte Spiel, speziell die Niederlage gegen Atlético Madrid war eine sehr bittere Erfahrung, aber es waren auch gute Phasen dabei.

Trotzdem bist du vermehrt in der Kritik gestanden.
Wir haben als Kollektiv die Leistung nicht auf den Punkt gebracht, alle haben sich mehr erwartet, da ist Kritik legitim. Trotzdem muss man nicht alles glauben was in der Zeitung, oder im Internet steht.

Leverkusen steht vor dem Umbruch, in den kommenden zwei bis drei Wochen will Sportchef Rudi Völler einen neuen Trainer präsentieren, anschließend folgt die Kaderplanung. Wie beurteilst du die Ausgangsposition für die kommende Saison?
Die Zielsetzung muss die Rückkehr ins internationale Geschäft sein und wer auch immer der neue Trainer von Bayer Leverkusen wird, es liegt an mir ihn mit Leistung zu überzeugen. Ich will unbedingt meinen Beitrag leisten und hoffe auf eine faire Chance.

Du bist seit Montag in Wien, hast bei den Amateuren der Wiener Austria mittrainiert. Warum?
Es waren genau genommen vier Trainingstage, ab Freitag schalte ich bewusst einen Gang zurück. Einerseits möchte im Rhythmus bleiben, andererseits den Kopf für die kommenden Aufgaben frei bekommen. Es war zwar eine lange und intensive Saison, aber sie ist eben noch nicht zu Ende. Der Urlaub beginnt am 12. Juni, bis dahin liegt der Fokus voll und ganz auf dem Nationalteam, der Vorbereitung und Begegnung mit Irland.

LESEN SIE AUCH:

Stichwort Irland: Bei einer Niederlage wäre der Traum von einer Teilnahme bei der WM 2018 in Russland wohl ausgeträumt. Es gilt einige Stammkräfte zu ersetzen, die Personaldecke ist generell dünn. Wie siehst du die Ausgangsposition und wie bewertest du die mentale Komponente?
Klar sind die Ausfälle bitter, aber Fußball ist ein Mannschaftssport, das Kollektiv steht über der individuellen Leistung. Es werden andere ihre Chance erhalten und wer mit Druck nicht umgehen kann, hat im Profigeschäft ohnehin nichts verloren. Ich bin keiner, der sich bereits vor der Partie Gedanken über die Folgen einer Niederlage macht. Mir ist klar, dass es keine leichte Aufgabe wird, das ändert aber nichts an der Zielsetzung. Wir wollen gewinnen!

Würdest du lieber in einer Dreier- oder Viererkette verteidigen?
Es geht nicht darum was ich will, es geht darum was die beste Lösung für das Team ist. Ich bin davon überzeugt, dass wir optimal vorbereitet und eingestellt gegen Irland einlaufen werden, persönliche Empfindlichkeiten haben in einem Mannschaftssport nichts verloren.

Vorheriger ArtikelVideogames 2017: Vorurteile und Stereotypen
Nächster ArtikelDemografische Veränderung stellt Bosnien-Herzegowina vor große Herausforderungen
Fragen oder Anregungen? Wir freuen uns auf Ihr Mail an redaktion[at]kosmo.at!