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Auftaktpleite

WM-Überraschung: Spanien scheitert an 40-jährigem Tormann von Zweitligisten

WM-Überraschung: Spanien scheitert an 40-jährigem Tormann von Zweitligisten
FOTO: EPA/RONALD WITTEK
5 Min. Lesezeit |

Spanien stolpert in die WM – und ein kleiner Inselstaat schreibt dabei ein Stück Fußballgeschichte.

Spaniens Titeltraum beginnt mit einem Stolperer. Im Auftaktmatch der Gruppe H reichte es für den amtierenden Europameister gegen WM-Neuling Kap Verde nicht über ein torloses 0:0 hinaus. Die „Furia Roja“ fand gegen den krassen Außenseiter schlicht keine Mittel, um die gut organisierte Defensive zu knacken – und die „Blauen Haie“ belohnten sich für einen leidenschaftlichen Auftritt mit einem historischen ersten WM-Punkt, den sie im Schlussspurt sogar fast noch in drei verwandelt hätten.

Für Kap Verde, das gemessen an der Einwohnerzahl drittkleinste Land in der WM-Geschichte, war der Punktgewinn ein mehr als gelungenes Debüt auf der großen Fußballbühne. Für Spanien hingegen ist die Bilanz nach Spieltag eins alarmierend. Selbst die Einwechslung von Lamine Yamal brachte keine Wende – die Mannschaft von Teamchef Luis de la Fuente fand schlicht keine Lösungen gegen das kompakte Defensivbollwerk der Afrikaner.

Yamal hatte sich nach einer Oberschenkelverletzung Ende April gerade noch rechtzeitig fit gemeldet. Dennoch wollte de la Fuente beim 18-jährigen Barca-Star kein Risiko eingehen – zumal auch Nico Williams zuletzt angeschlagen war. Beide begannen auf der Bank. In der Offensive erhielten stattdessen Gavi und Ferran Torres den Vorzug.

Vozinha hält die Null

De la Fuente hatte seine Mannschaft ausdrücklich vor dem Weltranglisten-67. gewarnt – und sollte Recht behalten. Kap Verde, das in der WM-Qualifikation in sieben Partien ohne Gegentor geblieben war, präsentierte sich erneut als defensiv äußerst disziplinierte Einheit. Spanien hatte zwar klare Ballbesitzvorteile, ließ aber echte Torgefahr vermissen. Eine Flanke köpfte Pico Lopes, Kapitän der irischen Shamrock Rovers, noch vor Mikel Oyarzabal weg (12.). Ein Schuss von Pedri blieb für Keeper Vozinha eine leichte Übung (15.), ein Versuch von Marc Cucurella flog über den Kasten (29.).

Die Kapverdianer standen weiter unerschütterlich tief und ließen dem Europameister kaum Raum für sein gefürchtetes Kurzpassspiel. Mit zunehmender Spielzeit trauten sich die Insulaner auch selbst nach vorne – ohne dabei die defensive Ordnung aufzugeben. Dailon Livramento schnappte sich im Mittelkreis den Ball und zog auf Keeper Unai Simon ab, das Leder flog jedoch klar am Tor vorbei (35.). Kurz darauf scheiterte auch ein Weitschuss von Jovane Cabral am Ziel (38.).

Kurz vor der Pause klopfte Spanien dann gleich mehrfach an – doch Glück und Vozinha hielten die Null. Als die ersten Pfiffe im Atlanta Stadium zu hören waren, kombinierte sich die „Furia Roja“ fast zum Führungstreffer. Rodri bediente per Heber Real-Madrid-Neuzugang Cucurella, der in die Mitte köpfte. Torres übernahm, traf aber nur die Stange. Den Abpraller schnappte sich Oyarzabal – scheiterte jedoch an Vozinha (39.). Der 40-jährige Schlussmann, der beim portugiesischen Zweitligisten G.D. Chaves unter Vertrag steht, war anschließend gleich noch zweimal gefordert: zunächst gegen einen platzierten Torres-Schuss (45.), dann bei einem Laporte-Kopfball in der Nachspielzeit.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb das Bild unverändert. Der Ball lief zwar flüssig durch Spaniens Reihen, doch rund 20 Meter vor dem Tor war für Rodri und Kollegen meist Endstation. Leisteten sich die Kapverdianer einen Fehler, agierten die Spanier überhastet und ungenau. Zweimal versuchte es Fabian Ruiz aus halbrechter Position aus der Distanz – beide Male landete der Ball weit neben dem Kasten (51.).

Yamals Einwechslung

Das Spiel blieb ein zähes Geduldsspiel für den Favoriten, die Brechstange blieb zunächst im Schrank. Angesichts der fehlenden Kreativität brachte de la Fuente für die letzten 20 Minuten Mikel Merino sowie Yamal – von dem sich die Spanier die entscheidenden Impulse erhofften. Die Einwechslung des Barca-Youngsters sorgte sichtbar für neuen Schwung, doch die kapverdische Abwehr blieb kompromisslos stabil und ließ keine gefährlichen Situationen zu.

Kurz vor dem Ende musste auch Simon nach einem Eckball eingreifen. Spätestens mit der Einwechslung von Dani Olmo entwickelte sich im Finish eine offene Abwehrschlacht mit Chancen im Minutentakt – doch Vozinha blieb unüberwindbar. Und beim ersten Eckball für Kap Verde wäre der Underdog sogar fast noch zum Siegtreffer gekommen: Ein Kopfball von Diney Borges fiel allerdings zu zentral aus und landete sicher in Simons Armen.

In der Gruppe H warten nun Saudi-Arabien und Uruguay. Die Ausgangslage für den zweiten WM-Titel nach 2010 war vor dem Turnier eigentlich vielversprechend – doch Spanien und WM-Endrunden sind seit dem Triumph in Südafrika keine Liebesgeschichte. 2014 in Brasilien schied man bereits in der Gruppenphase aus, 2018 in Russland und 2022 in Katar war jeweils im Achtelfinale Schluss.

Luis de la Fuente (Teamchef Spanien): „Wir müssen weiter Druck machen und hart arbeiten. Ein Torjäger ist genau das, was uns gefehlt hat. Wenn man ein Tor schießt, wendet sich das Blatt, und es wäre ein ganz anderes Spiel geworden. Das hat uns gefehlt, aber diese Mannschaft wird es sicher schaffen.“

Vozinha (Kap-Verde-Goalie): „Wir kommen aus einem kleinen Land mit limitierten Möglichkeiten. Wir haben heute einfach den Plan des Trainers verfolgt.“

Laros Duarte (Kap-Verde-Spieler): „Heute lag unser Fokus auf der Defensive, aber in den anderen Spielen können wir zeigen, wie gut wir am Ball sind.“

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KO KOSMO-Redaktion
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