Zwei Legenden, eine letzte Bühne – wenn Kroatien auf Portugal trifft, steht mehr auf dem Spiel als ein WM-Ticket.
Portugal gegen Kroatien – das ist kein gewöhnliches K.-o.-Spiel. Es ist eine Begegnung, die weit über 90 Minuten Fußball hinausreicht. Wenn die Vatreni in der Nacht auf Freitag auf die Seleção treffen, geht es auch um zwei Männer, die den Fußball ihrer Länder wie keine anderen geprägt haben: Cristiano Ronaldo und Luka Modric.
Ronaldo ist Portugals Rekordmann in jeder erdenklichen Kategorie – kein Spieler hat im Nationaltrikot öfter getroffen, keiner mehr Länderspiele absolviert. Bei dieser Weltmeisterschaft legte er noch eine Dimension obendrauf: Mit seinen Toren gegen Usbekistan wurde er zum ersten Spieler der Geschichte, der bei sechs verschiedenen Weltmeisterschaften getroffen hat. Eine Zahl, die kaum zu begreifen ist – und die zeigt, wie außergewöhnlich lang seine Karriere auf absolutem Spitzenniveau bereits andauert. Nach seinem Doppelpack gegen Usbekistan hat Ronaldo insgesamt zehn WM-Tore erzielt und ist damit der erfolgreichste portugiesische Torschütze in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften.
Auch Modric hat bei diesem Turnier Geschichte geschrieben. Im Gruppenspiel gegen Panama bestritt der kroatische Kapitän sein 200. Länderspiel für die Vatreni – eine Marke, die für ein Land mit weniger als vier Millionen Einwohnern nahezu unvorstellbar ist. Damit gehört Modric zu einem exklusiven Kreis von nur fünf Spielern weltweit mit mindestens 200 Einsätzen für ihre Nationalmannschaft. Modric ist nicht nur Kroatiens Rekordinternationaler, sondern für viele schlicht der beste Fußballer, den das Land je hervorgebracht hat.
Gemeinsame Jahre
Seine Nationalmannschaftskarriere ist untrennbar mit den größten Momenten des kroatischen Fußballs verknüpft: 2018 führte er die Mannschaft bis ins WM-Finale, vier Jahre später folgte Platz drei. Bei beiden Turnieren war er nicht nur Galionsfigur, sondern der Mann, der dem Spiel seiner Mannschaft Rhythmus und Richtung gab. Daran hat sich auch mit 40 Jahren nichts geändert.
Was dieses Duell besonders macht: Die beiden Protagonisten kennen einander nicht nur als Gegner auf internationaler Bühne. Von 2012 bis 2018 teilten sie die Kabine bei Real Madrid und prägten gemeinsam eine der erfolgreichsten Vereinsmannschaften der Fußballgeschichte. Mehr als 200 Partien standen sie Seite an Seite auf dem Platz, viermal gewannen sie zusammen die Champions League.
Ihre Rollen dabei waren geradezu komplementär: Modric gab dem Spiel Struktur und Orientierung, Ronaldo sorgte für die Entscheidungen im Strafraum. Der eine das Gehirn, der andere die Wucht – eine Arbeitsteilung, die Real Madrid in Europa über Jahre nahezu unbesiegbar machte.
Faszinierend ist auch, wie unterschiedlich die beiden mit dem Alter umgehen. Ronaldo hat sich im Laufe seiner Karriere vom spritzigen Außenstürmer zum klassischen Strafraumstürmer gewandelt. Sein Spiel lebt heute von Timing, Instinkt und Abschlussqualität – seine gefährlichsten Momente entstehen nicht über die Distanz von 90 Minuten, sondern in Bruchteilen einer Sekunde.
Modric war nie ein Spieler, der über körperliche Dominanz definiert wurde. Seine Stärken lagen stets woanders: in der Übersicht, der Ballsicherheit, den feinen Körpertäuschungen und der Fähigkeit, unter Druck die richtige Entscheidung zu treffen. Was bei anderen Spielern seines Alters als Verlangsamung sichtbar wird, kompensiert er mit Erfahrung und einer Spielintelligenz, die ihresgleichen sucht.
Mittelfeld entscheidet
Dennoch wäre es eine Vereinfachung, dieses Spiel allein auf das Duell der beiden Kapitäne zu reduzieren. Kroatiens Teamchef Zlatko Dalic machte vor dem Anpfiff deutlich, wo er die Partie entschieden sieht: im Mittelfeld. Dort trifft Kroatien mit Modric, Martin Baturina und Petar Sucic auf Portugals starke Zentrale um Vitinha, João Neves und Bruno Fernandes.
Portugal verfügt über mehr individuelle Offensivqualität, Kroatien über mehr K.-o.-Erfahrung und Kontrolle im Zentrum. Ronaldo braucht keine Flut an Chancen. Modric braucht keinen großen Raum. Wenn einer der beiden auch nur einen Moment bekommt, kann das Spiel in eine völlig andere Richtung kippen.
Einige Zahlen, die den Rahmen dieses Duells abstecken: Cristiano Ronaldo ist der erfolgreichste Torschütze in der Geschichte des Länderspielfußballs. Luka Modric ist Kroatiens Rekordnationalspieler und erreichte bei dieser WM die Marke von 200 Einsätzen im Nationalteam. Beide standen jahrelang gemeinsam bei Real Madrid unter Vertrag und gewannen dort viermal die Champions League. Modric krönte das Jahr 2018 mit dem Ballon d’Or – und beendete damit die jahrelange Vorherrschaft von Ronaldo und Lionel Messi bei dieser Auszeichnung.
Ronaldo traf bei sechs verschiedenen Weltmeisterschaften – das ist einmalig in der Geschichte des Turniers.