Ein Hai-Video aus Montenegro elektrisiert das Netz – doch zwischen Panik und Fakten liegt oft eine ganze Meerestiefe.
In den sozialen Netzwerken sorgt derzeit ein Video aus Montenegro für Aufsehen: Die Aufnahmen, die angeblich in der Nähe der Einfahrt zur Bucht von Kotor entstanden sind, zeigen einen großen Hai – und der Autor des Videos ist fest davon überzeugt, dass es sich um einen Weißen Hai handelt, eine der mächtigsten und für den Menschen gefährlichsten Haiarten überhaupt. Zahlreiche Kommentatoren schlossen sich dieser Einschätzung an.
Experten widersprechen
Fachleute sehen die Sache allerdings nüchterner. Ilija Cetkovic vom Institut für Meeresbiologie Montenegros hält es nach Sichtung des Videos für wahrscheinlicher, dass es sich um einen Makohai handelt – eine Art, deren schlanker, muskulöser Körperbau jenen des Weißen Hais auf den ersten Blick täuschend ähneln kann. Für die Adria sei das kein ungewöhnlicher Gast, betonte Cetkovic: „Das ist nicht überraschend, denn fast jedes Jahr wird in diesem Teil der Adria ein solches Tier gefangen oder gefilmt.“
Der Makohai – wissenschaftlich als Isurus oxyrinchus bekannt, im Deutschen auch Kurzflossen-Mako genannt – zählt zu den beeindruckendsten Vertretern seiner Gattung. Er ist im gesamten Mittelmeer und in der Adria heimisch, kann eine Länge von bis zu 4,5 Metern erreichen und über eine halbe Tonne auf die Waage bringen. Charakteristisch sind sein torpedoförmiger Körper, die spitz zulaufende Schnauze und die langen, nadelfeinen Zähne. Als schnellster Hai der Welt gilt er unter Experten als außergewöhnlich effizienter Jäger – mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 70 Stundenkilometern.
Sein angestammtes Revier ist das offene Meer, doch gelegentlich nähert er sich auch Küstenabschnitten und Unterwasserriffen. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Thunfisch, Makrelen und Schwertfische, aber auch Tintenfische und andere Kopffüßer. Als Wanderart folgt der Mako warmen Meeresströmungen und legt dabei mitunter enorme Strecken zurück.
Häufungen im Mittelmeer
Haibegegnungen im Mittelmeerraum häufen sich zuletzt in den Schlagzeilen: Im Juni wurde vor der Küste Siziliens in 40 Metern Tiefe ein Weißer Hai gefilmt.
Und ein bei Rogoznica gefangenes Tier wurde inzwischen zweifelsfrei als junger Weißer Hai identifiziert.