Die extreme Trockenheit an der Donau trifft nun auch Ungarns Stromversorgung: Im Atomkraftwerk Paks musste ein Reaktorblock vom Netz genommen werden. Eine vollständige Abschaltung der Anlage könnte schon in den kommenden Stunden folgen.
Nach Rumänien hat der historisch niedrige Wasserstand der Donau nun auch in Ungarn zu einer Abschaltung in einem Atomkraftwerk geführt. Im Kernkraftwerk Paks wurde Block 3 am Mittwoch, dem 29. Juli 2026, kontrolliert vom Stromnetz genommen. Das Wasser der Donau wird benötigt, um die Anlage zu kühlen. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der hohen Temperaturen kann derzeit jedoch nicht mehr ausreichend Kühlwasser entnommen werden.
Das Atomkraftwerk Paks verfügt über vier Reaktorblöcke mit einer Gesamtleistung von rund 2.000 Megawatt. Unter normalen Bedingungen erzeugt die Anlage knapp die Hälfte des ungarischen Stroms. Nach ersten Leistungsreduzierungen zu Beginn der Woche läuft das Kraftwerk inzwischen mit weniger als 50 Prozent seiner üblichen Kapazität.
Komplette Abschaltung droht
Die Lage könnte sich weiter zuspitzen. Nach Angaben des Betreibers dürfte eine vollständige Abschaltung des Kraftwerks innerhalb der kommenden 24 bis 72 Stunden unvermeidlich werden, sollte sich der Wasserstand der Donau nicht erholen.
Ungarns Ministerpräsident Peter Magyar erklärte am Donnerstag, dass Paks möglicherweise noch im Laufe des Tages, spätestens aber am Freitag vollständig vom Netz genommen werden müsse. Damit würden Ungarn auf einen Schlag bis zu 2.000 Megawatt an Produktionsleistung fehlen.
Nach Angaben der Regierung verfügt das Land über Importkapazitäten von rund 3.600 bis 3.800 Megawatt. Diese sollen ausreichen, um einen möglichen Totalausfall von Paks vorübergehend auszugleichen. Gleichzeitig arbeitet die Regierung an Notfallplänen. Im Ernstfall könnte der Strom- und Wasserverbrauch großer Industriebetriebe zeitweise eingeschränkt werden.
Zuvor bereits Rumänien betroffen
Nur einen Tag zuvor hatte die Trockenheit bereits das rumänische Atomkraftwerk Cernavodă getroffen. Dort wurde Reaktorblock 1 am Dienstag, dem 28. Juli, kontrolliert heruntergefahren und vom nationalen Stromnetz getrennt. Die Maßnahme sollte verhindern, dass die Kühlanlagen aufgrund des niedrigen Donaupegels beschädigt werden.
Auch die Abschaltung des zweiten rumänischen Reaktorblocks war zunächst für Donnerstag angekündigt worden. Der Betreiber Nuclearelectrica teilte jedoch mit, dass sich die Bedingungen über Nacht stabilisiert hätten und Block 2 vorerst weiter sicher betrieben werden könne. Eine spätere Abschaltung ist allerdings weiterhin möglich, sollte die Donau weiter fallen.
Die beiden Reaktoren in Cernavodă verfügen jeweils über eine Leistung von rund 706 Megawatt und decken gemeinsam ungefähr ein Fünftel des rumänischen Strombedarfs. Derzeit sind somit insgesamt zwei Reaktorblöcke in zwei Ländern wegen des Donau-Niedrigwassers abgeschaltet – einer in Rumänien und einer in Ungarn.
Donau erreicht kritische Werte
Wie ernst die Situation ist, zeigen die Messwerte an der rumänischen Grenze. Dort lag der Durchfluss der Donau zuletzt bei nur noch rund 1.650 Kubikmetern Wasser pro Sekunde. Das durchschnittliche Niveau für den Monat Juli beträgt normalerweise etwa 4.750 Kubikmeter pro Sekunde.
Bis zum 4. August wird ein weiterer Rückgang auf ungefähr 1.500 Kubikmeter pro Sekunde erwartet. Damit würde sich die Donau dem historischen Tiefstwert von rund 1.400 Kubikmetern pro Sekunde aus dem Jahr 1985 nähern.
Für Atomkraftwerke ist nicht nur die Wassermenge entscheidend. Auch die Temperatur des Flusses spielt eine wichtige Rolle. Je wärmer das Wasser ist, desto schwieriger wird es, die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme sicher abzuleiten. Kraftwerke müssen deshalb zunächst ihre Leistung reduzieren und bei einer weiteren Verschlechterung der Bedingungen einzelne Reaktoren kontrolliert abschalten.
Keine technische Panne
Bei den Abschaltungen handelt es sich nicht um technische Störungen oder nukleare Zwischenfälle. Die Reaktoren werden vorsorglich und kontrolliert heruntergefahren, um die Sicherheit der Kühlanlagen zu gewährleisten. Dennoch erhöhen die Ausfälle den Druck auf die Stromnetze, da der Energieverbrauch durch Klimaanlagen während der Hitzewelle gleichzeitig besonders hoch ist.
Die Folgen des niedrigen Wasserstands reichen weit über die Atomkraft hinaus. Wasserkraftwerke in Serbien und Österreich produzieren deutlich weniger Strom, während Fracht- und Tankschiffe auf der Donau teilweise nur noch 30 bis 40 Prozent ihrer üblichen Ladung transportieren können. Auch Kreuzfahrten, Fährverbindungen sowie Treibstoff- und Getreidelieferungen sind betroffen.
Die kommenden Tage werden nun entscheidend. Bleiben größere Niederschläge aus, könnte erstmals das gesamte ungarische Atomkraftwerk Paks wegen des niedrigen Donaupegels vorübergehend stillstehen.