Raketen treffen schlafende Goldsucher im Morgengrauen – ein Angriff mit Dutzenden Toten, dessen Urheber schweigt.
Bei Luftangriffen auf Goldsucher-Camps im sudanesischen Grenzgebiet zu Ägypten sind am Samstag mindestens 72 Zivilisten ums Leben gekommen. Die Urheberschaft der Attacken ist bislang ungeklärt.
Die Angriffe ereigneten sich im Bundesstaat Nahr an-Nil und wurden von der Menschenrechtsorganisation Emergency Lawyers dokumentiert. Die Gruppe stuft die genannte Opferzahl ausdrücklich als vorläufig ein und schließt nicht aus, dass sie weiter steigen wird. Weder die ägyptische Regierung noch die sudanesischen De-facto-Behörden haben sich bislang zu den Vorfällen geäußert.
Augenzeugen berichten
Augenzeugen berichteten gegenüber der Zeitung „Sudan Tribune“, dass die Angriffe am Samstag gegen 6 Uhr Ortszeit begonnen hätten. Flugzeuge sollen dabei mehr als fünf Raketen auf die Camps abgefeuert haben, wodurch Unterkünfte und Grabungsgruben, in denen sich zu diesem Zeitpunkt Menschen aufhielten, zerstört wurden. Ein Überlebender schilderte zudem zahlreiche Verletzte, was die Zahl der Todesopfer noch weiter in die Höhe treiben könnte.
Mögliche Kriegsverbrechen
Emergency Lawyers verurteilte die Angriffe in scharfen Worten. Die Organisation erklärte, sie verurteile „die gezielte Bekämpfung unbewaffneter Zivilisten„, da dies das humanitäre Völkerrecht und das Recht auf Leben verletze, und warnte, dass „diese Taten Kriegsverbrechen darstellen könnten“. Bereits im Juni war Ägypten beschuldigt worden, Angriffe auf Goldsucher in der Grenzregion durchgeführt zu haben.
Der anhaltende Bürgerkrieg im Sudan verschärft die ohnehin prekären Bedingungen im informellen Goldabbau der Region zusätzlich.