Leipzig trauert: Ein Mann rast durch die Innenstadt – zwei Menschen sterben. Nun kommt heraus, was kurz vor der Tat geschah.
Nach einer Amokfahrt in Leipzig, bei der zwei Menschen ums Leben kamen und mehrere weitere verletzt wurden, ist der 33-jährige Tatverdächtige in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen worden. Der Mann befand sich kurz vor der Tat auf eigenen Wunsch in stationärer psychiatrischer Behandlung und war der Polizei bereits bekannt – allerdings ohne einschlägige Vorstrafen. Der deutsche Staatsbürger war noch am Montagabend unmittelbar nach der Tat festgenommen worden.
Zwei Menschen verloren ihr Leben, sechs weitere im Alter zwischen 21 und 87 Jahren wurden verletzt. Unter den Schwerverletzten befinden sich ein 75-jähriger Mann sowie eine 84-jährige Frau. Bei den Todesopfern handelt es sich um eine 63-jährige Frau und einen 77-jährigen Mann, beide deutsche Staatsbürger.
Darüber hinaus mussten mehr als 80 Personen nach dem Vorfall betreut werden. Am Dienstag befand sich keine der schwer verletzten Personen mehr in akuter Lebensgefahr.
Psychiatrische Einweisung
Die Ermittlungsbehörden gehen von einem Einzeltäter aus, dem weder ein politisches noch ein religiöses Motiv zugeschrieben wird. Die Staatsanwaltschaft Leipzig teilte am Abend mit, es bestünden „dringende Gründe“ für eine „zumindest erheblich verminderte Schuldfähigkeit“ des Mannes. Das Amtsgericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und ordnete die einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, da dies aus Gründen der öffentlichen Sicherheit als notwendig erachtet wurde.
Nach bisherigem Ermittlungsstand sei es wahrscheinlich, „dass der Beschuldigte aufgrund seines Zustandes weitere erhebliche rechtswidrige Taten vergleichbarer Schwere begehen wird“. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete, war der Mann der Polizei bereits vor der Tat bekannt, jedoch nicht in einschlägiger Weise.
Nur wenige Tage vor der Tat hatte sich der 33-Jährige in stationärer psychiatrischer Behandlung befunden. Wie das Sozialministerium in Dresden bestätigte, war der Aufenthalt in der Klinik freiwillig und auf eigenen Wunsch des Mannes erfolgt. Einem Medienbericht zufolge soll es sich dabei um das Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie in Altscherbitz im Kreis Nordsachsen gehandelt haben.
BREAKING: Car rams crowd in Leipzig, Germany; multiple injured pic.twitter.com/0j98Fish4J
— Rapid Report (@RapidReport2025) May 4, 2026
Nach Angaben des Ministeriums wurde der in Leipzig lebende Mann Ende April aus der Klinik entlassen. „Während der Zeit dieses Aufenthalts in der Klinik bestand keine Eigen- oder Fremdgefährdung. Es lagen damit keine medizinischen Gründe vor, den Patienten, der sich freiwillig in der Klinik aufhielt, am Verlassen der Klinik zu hindern und damit gegen seinen Willen festzuhalten“, hieß es in der Mitteilung.
Reaktionen & Ermittlungen
„Wir müssen jetzt nicht befürchten, dass es weitere Todesopfer gibt“, erklärte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung. Es gebe einen sehr schwer Verletzten, einen Mann spanischer Herkunft, „der aber auch in Sicherheit ist“, sowie mehrere Leichtverletzte. Der langjährige Stadtchef kündigte an, sämtliche Zufahrtswege in die Leipziger Innenstadt einer Überprüfung zu unterziehen.
Wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten, war der 33-jährige Deutsche im laufenden Jahr bereits polizeilich in Erscheinung getreten – unter anderem wegen Bedrohung sowie ehrverletzender Handlungen im sozialen Umfeld. Dabei handelte es sich ausschließlich um Vorfälle ohne körperliche Gewalt, etwa Beleidigungen oder Herabwürdigungen. Weder Ermittlungs- noch Strafverfahren waren daraus bislang hervorgegangen.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes in zwei Fällen sowie wegen versuchten Mordes in mindestens zwei weiteren Fällen. Der Mann war am frühen Abend mit einem weißen Fahrzeug vom Augustusplatz kommend über den Marktplatz gefahren und hatte dabei mehrere Personen erfasst. Noch im Auto wurde er von der Polizei „dingfest gemacht“, wie es hieß, und leistete bei seiner Festnahme keinen Widerstand.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) äußerte sich nach dem tödlichen Vorfall mit den Worten: „Das erschüttert mich zutiefst. Ich bin in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien.“ Den Verletzten wünsche er Kraft und eine rasche Genesung.