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Wasserkrise

Dürre-Alarm: Grundwasser sinkt auf 100-Jahres-Tief

Dürre-Alarm: Grundwasser sinkt auf 100-Jahres-Tief
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Die Wasserversorgung in Österreich steht zunehmend unter Druck. Landesweit sinken die Grundwasserstände, wie eine Untersuchung von Greenpeace aus dem Vorjahr belegt: 60 Prozent der Messstellen verzeichnen niedrige Wasserstände. Angesichts dieser Entwicklung schlagen Wasserversorger Alarm und warnen vor möglichen Versorgungsengpässen.

Die Situation verschärft sich durch den Klimawandel, wachsenden Wasserbedarf und häufigere Dürreperioden – besonders in Regionen, die bislang weniger betroffen waren.

Die Klimaveränderungen tragen maßgeblich zu dieser Entwicklung bei. „Schneearme Winter und trockene Sommer bringen kaum Wasser in den Kreislauf“, erklärt Nikolaus Sauer, Vizepräsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW), gegenüber dem KURIER. Auch die Zunahme von Starkregenereignissen biete keine Entlastung: „So rinnt das Wasser gleich wieder in der Donau ab. Wir brauchen Wasser, das in den Regionen bleibt, um die Wasserversorgung zu sichern.“

Die Trockenheit breitet sich mittlerweile über das gesamte Bundesgebiet aus. Während früher hauptsächlich Ostösterreich betroffen war, kämpft nun auch der niederschlagsreichere Westen mit Wassermangel – trotz dreifach höherer Niederschlagsmengen im Vergleich zum Osten. In den vergangenen Jahren wurden Grundwasserstände gemessen, die so niedrig waren wie seit einem Jahrhundert nicht mehr. „Das macht uns als Wasserversorger doch ein bisschen Angst, was da auf uns zukommt“, gibt Sauer zu bedenken.

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Steigender Wasserbedarf

Parallel dazu steigt der Wasserbedarf kontinuierlich an. Neue Rechenzentren mit Wasserkühlung erhöhen den Verbrauch, ebenso wie die Landwirtschaft, die aufgrund häufigerer Dürreperioden verstärkt bewässern muss. Für Niederösterreich prognostiziert ein Rechnungshofbericht aus diesem Jahr einen Bedarfsanstieg von 25 bis 37 Prozent bis 2050. Gleichzeitig könnte das Grundwasserangebot in diesem teilweise zu den trockensten Gebieten Österreichs zählenden Bundesland um 14 Prozent zurückgehen.

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Um die langfristige Versorgungssicherheit zu gewährleisten, fordern die österreichischen Wasserversorger eine deutliche Aufstockung der Bundesförderungen. Da die Investitionen größtenteils von den Versorgungsunternehmen – meist in öffentlicher Hand – mit staatlicher Unterstützung getätigt werden, verlangen sie eine Erhöhung der Kofinanzierung von derzeit 69 Millionen auf mindestens 150 Millionen Euro jährlich „für den Werterhalt von bestehenden Anlagen“. Zusätzlich soll der Bund weitere Mittel bereitstellen, um die Anlagen an die wachsenden Herausforderungen durch den Klimawandel anzupassen.

Notwendige Investitionen

Diese Maßnahmen würden laut einer Studie „Investitionen erheblichen Umfangs“ erfordern – etwa für die Modernisierung alternder Infrastruktur oder moderne Aufbereitungstechnologien. Auch überregionale Verbundleitungen gewinnen an Bedeutung, um Wasser aus niederschlagsreichen in trockene Gebiete zu transportieren. „Über die Wasserversorgung wird nicht viel gesprochen, solange der Wasserhahn fließt. Aber wir Versorger zählen zur kritischen Infrastruktur“, betont Sauer.

Die eingesetzten Fördermittel würden zudem die Konjunktur ankurbeln und Arbeitsplätze sichern. Die Wasserversorgung stellt in Österreich einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Laut einer Studie des Economica-Instituts generierte der Sektor 2024 eine Bruttowertschöpfung von 12,5 Milliarden Euro und sicherte rund 97.400 Beschäftigungsverhältnisse. Zusätzlich flossen etwa 449 Millionen Euro in Investitionen, die einen Wertschöpfungseffekt von rund 305 Millionen Euro bewirkten.

Die Studie untersucht auch die künftige Investitionsentwicklung und kommt zum Schluss, dass bei linearer Fortschreibung der Investitionen aus 2024 bis 2030 ein Gesamtbedarf von 3,14 Milliarden Euro entstünde.

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Dies würde zwar grundsätzlich die Trinkwasserversorgung gewährleisten, erklärt Studienautor Christian Helmenstein, doch für den langfristigen Erhalt der Infrastruktur und den „Wert der Versorgung“ seien Investitionen von rund 4,3 Milliarden Euro notwendig.