137 Spiele, 49 Tore – und Tränen, die alles sagten. Marko Arnautovic hat sich verabschiedet, und die Kabine wird es lange spüren.
Mit Tränen in den Augen und einem Kloß im Hals verabschiedete sich Marko Arnautovic am Donnerstagabend in Los Angeles von der österreichischen Nationalmannschaft. Nach dem 0:3 im WM-Sechzehntelfinale gegen Spanien war Schluss – und das nicht nur für dieses Turnier. Der Wiener trat vor seine Mitspieler und hielt eine Rede, die niemanden kalt ließ.
Teamchef Ralf Rangnick schilderte die Stimmung in der Kabine als außergewöhnlich. Von „bewegenden Worten“ sprach der 68-Jährige und von einer „besonders berührenden und natürlich auch traurigen Atmosphäre“. „Wer jetzt Mäuschen hätte spielen können oder dabei gewesen wäre bei dieser Ansprache – ich möchte nicht wissen, wie viele Spieler neben ihm selbst und auch Mitglieder des Staffs Tränen in den Augen hatten“, sagte der Deutsche und bezeichnete die Rede des Stürmers als „besonderen Moment“.
Arnautovics Abschiedsworte
Arnautovic selbst wollte über den Inhalt seiner Worte nicht sprechen. Unmittelbar nach dem Abpfiff meldete er sich mit sichtlich geröteten Augen bei ServusTV zu Wort – und fand dabei eine Sprache, die alles sagte: „Das ist eine Katastrophe. Ich habe schon genug geweint.“ 137 Länderspiele, 49 Tore – Werte, die im österreichischen Fußball beispiellos sind.
Ob es noch ein offizielles Abschiedsspiel geben wird, blieb zunächst offen. In jenem Moment spielte das für Arnautovic ohnehin keine Rolle. „Es ist und war das größte Highlight meiner Karriere, mit meinem Land hier bei einer Weltmeisterschaft spielen zu dürfen. Es trifft mich zum Schluss, dass ich meine zweite Familie ab jetzt nicht mehr am Platz sehen werde.“
Rangnick fand zum Abschluss deutliche Worte über die Bedeutung des Stürmers für das Nationalteam. „Ohne Marko und ohne Markos Tore wären wir womöglich nicht zur EURO nach Deutschland gefahren und wären wir vielleicht auch hier nicht dabei gewesen“, sagte er. Gleichzeitig bedauerte der Teamchef, dass er seinen Topstürmer aufgrund von dessen Spielpraxis beim Vereinsklub nur selten über volle 90 Minuten einsetzen konnte.
Beim Turnier selbst war Arnautovic in allen vier österreichischen Partien im Einsatz – dreimal wurde er eingewechselt, einmal ausgewechselt. Zwei Treffer stehen zu Buche, womit er in einen exklusiven Kreis aufgestiegen ist: Neben Ivica Vastic, Romano Schmid und Sasa Kalajdzic ist er nun einer von nur vier Österreichern, die sowohl bei einer WM als auch bei einer EM getroffen haben.
Stimmen der Mitspieler
Aus dem Kreise seiner Mitspieler kamen Worte, die das Gewicht des Abschieds noch einmal unterstrichen. Kalajdzic brachte es auf den Punkt: „Er ist ein ganz, ganz Großer. Wir haben ihn alle extrem gerne und am liebsten wollen wir, dass er weitermacht, aber es ist seine Entscheidung. Ich wünsche ihm nur das Beste, bin froh, dass ich ihn kenne und mit ihm den Platz teilen durfte.“
Romano Schmid beschrieb Arnautovics Verabschiedung als „ein Gänsehaut-Moment und schon traurig“, Stefan Posch fand schlichte, aber treffende Worte: „Er ist ein überragender Spieler und noch viel mehr ein überragender Mensch. Ich kann nicht mehr als danke sagen.“ Konrad Laimer schließlich stellte sich eine Nationalmannschaft ohne Arnautovic kaum vor. „Ein unglaublicher Charakter, ein unglaublicher Fußballer. Er hat immer alles gegeben, er ist immer vorangegangen, und dafür gibt es nur den größten Respekt von meiner Seite.“
Am 11. Oktober 2008 war es losgegangen – ein 1:1 in der WM-Qualifikation auf den Färöern, Arnautovics erstes Spiel im Nationaldress. Knapp 18 Jahre später geht eine Ära zu Ende, die mit EM-Teilnahmen 2016, 2021 und 2024 sowie dem historisch ersten WM-Auftritt des Landes reich bestückt war. Seine Rekordwerte von 49 Toren und 137 Einsätzen dürften noch lange unangetastet bleiben.
Der einzige Spieler, der Arnautovic zumindest in der Länderspielstatistik eines Tages einholen könnte, ist David Alaba. Der Kapitän kommt derzeit auf 117 Einsätze – doch ob er weitermacht, ließ er bewusst offen. „Ich habe mir überhaupt keine Gedanken gemacht um meine Zukunft, auch auf Club-Ebene, war sehr konzentriert und fokussiert auf diese Weltmeisterschaft. Jetzt werde ich erst mal diesen bitteren Moment verarbeiten müssen“, sagte der 34-Jährige, dessen Vertrag bei Real Madrid ausgelaufen ist und der damit ablösefrei auf dem Markt wäre.