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Terrorakt

Er ist ein guter Junge“ – Mutter des Bondi-Attentäters im Schock

Er ist ein guter Junge“ – Mutter des Bondi-Attentäters im Schock
(FOTO: EPA / BIANCA DE MARCHI)
4 Min. Lesezeit |

Ein Vater und sein Sohn, der bereits im Visier des Geheimdienstes stand, verübten den tödlichen Angriff am Bondi Beach. Die muslimische Gemeinde distanziert sich.

Bei einem Schusswaffenangriff am Bondi Beach in Sydney wurden am Sonntag mindestens 16 Menschen getötet. Die Polizei bestätigte, dass ein Vater und sein Sohn für die Tat verantwortlich sind. Der 24-jährige Naveed A. wurde am Tatort festgenommen und mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Sein 50-jähriger Vater, den der „Sydney Morning Herald“ als Sajid A. identifizierte, wurde von Einsatzkräften erschossen. Eine offizielle Bestätigung der Namen durch die Polizei steht noch aus.

Sicherheitsbehörden in New South Wales hatten Naveed bereits auf dem Radar. Premierminister Anthony Albanese teilte mit, der australische Inlandsgeheimdienst ASIO habe den jungen Mann im Oktober 2019 wegen seiner Kontakte unter Beobachtung gestellt. Die sechsmonatige Überwachung ergab jedoch keine Hinweise auf eine potenzielle Bedrohung oder Gewaltbereitschaft.

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Laut Innenminister Tony Burke ist Naveed gebürtiger Australier. Sein Vater kam 1998 mit einem Studentenvisum ins Land, wechselte 2001 auf ein Partnervisum und nutzte seither Aufenthaltsrückkehrvisa. Bis vor kurzem arbeitete Naveed A. als Maurer. Seine Mutter beschreibt ihn als zurückgezogenen Menschen: „Er geht arbeiten, kommt nach Hause, treibt Sport, und das war’s. Jeder würde sich einen Sohn wie meinen wünschen. Er ist ein guter Junge.“ Nach ihren Angaben meidet er Ausgehen, Freundschaften, Alkohol, Zigaretten und fragwürdige Orte.

Legale Waffen

Dem Guardian zufolge waren die bei der Tat verwendeten Waffen legal im Besitz des Vaters. Sajid A. verfügte seit zehn Jahren über eine Waffenlizenz, auf die sechs Schusswaffen registriert waren. Vier dieser Waffen – Langwaffen, vermutlich ein Gewehr und eine Schrotflinte – wurden am Tatort sichergestellt. Bei einer Durchsuchung eines Hauses in Campsie im Südwesten Sydneys entdeckten Ermittler weitere Waffen. Chris Minns, Premierminister von New South Wales, kündigte Änderungen der Waffengesetze an.

Nach Aussage von Polizeikommissar Lanyon gibt es derzeit keine Anzeichen für eine vorherige Planung des Angriffs durch die beiden Männer. Nachbar Glen Nelson äußerte gegenüber News.com seine Erschütterung: „Sie haben keinerlei Aufruhr oder Ähnliches verursacht.“ Es sei schockierend, dass man „nicht weiß, wer nebenan wohnt“.

Ein früherer Arbeitskollege, der anonym bleiben wollte, charakterisierte Naveed gegenüber dem „Guardian“ als eigenartigen, aber fleißigen Mitarbeiter mit Jagdinteresse. Er habe etwa fünf Jahre sporadisch mit ihm auf verschiedenen Baustellen zusammengearbeitet und ihn vor einigen Monaten zuletzt gesehen. „Niemand stand ihm nahe“, berichtete der Ex-Kollege. Vor wenigen Wochen habe Naveed seinem Vorgesetzten mitgeteilt, er habe sich die Hand gebrochen und könne erst im kommenden Jahr wieder arbeiten.

Gemeinde distanziert sich

Die muslimischen Gemeindeführer in Sydney verweigern laut News.com die Durchführung islamischer Bestattungsriten für die Attentäter und lehnen die Übernahme ihrer Leichen ab. Sie verurteilen die Tat als „barbarischen und kriminellen Akt“. Bislang ist nur der Tod des älteren Schützen bestätigt, während sein Sohn in kritischem Zustand schwebt. Dr. Jamal Rifi, ein prominenter Vertreter der islamischen Gemeinde Sydneys, erklärte: „Wir sehen sie nicht als Teil des Islam oder als Muslime an.“ Die Tötung unschuldiger Zivilisten werde von niemandem in der Gemeinschaft gebilligt. Eine ähnliche Haltung nahm die Gemeinde bereits nach dem Anschlag im Lindt-Café 2014 ein.

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Verena A. berichtete der australischen Zeitung „The Age“, ihr Sohn und ihr Ehemann seien am Wochenende nach Jervis Bay gefahren, etwa 190 Kilometer vom späteren Tatort entfernt. Naveed habe sie am Sonntagmorgen noch angerufen mit den Worten: „Mama, ich war gerade schwimmen. Ich war tauchen. Wir gehen jetzt essen, und danach bleiben wir zu Hause, weil es sehr heiß ist.“