Ein geleaktes internes Schreiben aus der Justizanstalt Hirtenberg sorgt für Wirbel – das Ministerium distanziert sich nun deutlich.
Ein internes Schreiben des amtierenden Leiters der Justizanstalt Hirtenberg ist an die Öffentlichkeit gelangt und hat erhebliche Aufmerksamkeit erregt – wie das Nachrichtenportal „Heute“ exklusiv berichtete. Der Anstaltsleiter hatte sich darin kurz vor dem Erscheinen eines Berichts im „Falter“ über den Vorfall vom 3. Dezember 2025 an seine Belegschaft gewandt. In dem Schreiben räumte er zwar ein, dass die Amtshandlung, in deren Verlauf ein 30-jähriger Insasse ums Leben kam, „nicht optimal“ verlaufen sei – seinen Beamten könne jedoch „kein Vorwurf“ gemacht werden. Im Wortlaut heißt es: „Ich bin stolz auf euch und eure professionelle Arbeit.“
Tödlicher Vorfall
Zwölf Justizwachebeamte stehen unter dem Verdacht, den psychisch kranken Häftling bei einem Transport in ein Krankenhaus so schwer verletzt zu haben, dass er in der Folge starb. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt führt seit mehreren Wochen Ermittlungen. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge wurde entgegen den geltenden Vorschriften kein Arzt hinzugezogen.
Vor dem Vorfall war der Mann nackt in einem Haftraum untergebracht, der für diesen Zweck nicht vorgesehen war. Dort dürfte er sich an einem fest eingebauten Betonbett schwere Verletzungen zugezogen haben. Darüber hinaus wird geprüft, ob es durch Beamte zu Würgehandlungen kam.
Der damalige Einsatzleiter wurde vorläufig vom Dienst suspendiert, weitere an dem Vorfall beteiligte Personen wurden von ihren Funktionen abgezogen. Der betreffende Haftraum ist bis auf Weiteres gesperrt, Sanierungsarbeiten sollen zeitnah eingeleitet werden. Die genaue Todesursache ist nach wie vor nicht abschließend geklärt. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
⇢ Diese Stimmen halte ich nicht mehr aus“ – Justiz-Skandal nach Suizid
Ministerium distanziert sich
Das Justizministerium hat sich nun zu dem geleakten Schreiben geäußert, dessen Echtheit es bestätigt, und nimmt dabei klar Abstand von dessen Inhalt: „Die darin zu diesem Zeitpunkt getroffene Bewertung und Einordnung zum Vorfall am 3.12.2025 stellt ausschließlich die persönliche Meinung des Anstaltsleiters dar.“
Der Todesfall in der Justizanstalt Hirtenberg sei weiterhin Gegenstand laufender straf- und disziplinarrechtlicher Ermittlungen.