Brennende Treibstofflager, attackierte Tanker, steigende Ölpreise – der Konflikt am Persischen Golf eskaliert auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Der militärische Konflikt am Persischen Golf, bezeichnet als Iran-Krieg oder Vierter Golfkrieg, begann am 28. Februar 2026. Je weiter der Krieg fortschreitet, desto deutlicher tritt die Strategie des Iran zutage: durch gezielte Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Golfregion die wirtschaftlichen Kosten einer Kriegsfortsetzung systematisch in die Höhe zu treiben. In Bahrain und Oman standen am Donnerstag nach Attacken Treibstofflager in Flammen. Im Persischen Golf wurden zwei Öltanker angegriffen, der Ölpreis legte erneut zu.
Der iranische Beschuss brachte die Handelsschifffahrt in der Region nahezu vollständig zum Erliegen. Nach Angaben der britischen Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt, bekannt als UKMTO, wurde auch vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate ein Containerschiff von einem unbekannten Geschoß getroffen. Ein kleiner Brand sei ausgelöst worden, Verletzte habe es keine gegeben.
Angriffe auf Tanker
Nahe der Straße von Hormus traf iranischer Raketenbeschuss einen unter thailändischer Flagge fahrenden Frachter. Die „Mayuree Naree“, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten in Richtung Indien unterwegs war, wurde nach Angaben der thailändischen Marine von zwei Geschoßen oberhalb der Wasserlinie getroffen, wobei ein Brand entstand. Von den 23 thailändischen Besatzungsmitgliedern konnten 20 in Sicherheit gebracht werden, drei Seeleute blieben nach Angaben der Reederei Precious Shipping zunächst wahrscheinlich im Maschinenraum eingeschlossen.
Lokalen Behörden zufolge wurden in Bahrain Treibstofflager in unmittelbarer Nähe des internationalen Flughafens angegriffen. Ob es sich dabei um die Kerosindepots des Flughafens am Rand der Hauptstadt Manama oder um eine andere Einrichtung handelte, blieb zunächst unklar. Die Bevölkerung des Inselstaats im Persischen Golf wurde aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.
In Oman wurden Treibstofftanks im Hafen von Salalah mutmaßlich von iranischen Drohnen getroffen. Auf einem vom arabischen Fernsehsender al-Jazeera veröffentlichten Video war zu sehen, wie ein gewaltiger Feuerball über einem der Tanks aufsteigt. Der Golf-Kooperationsrat verurteilte den Angriff.
Ein Sprecher der iranischen Militärführung wies eine Verantwortung für den Vorfall in Oman allerdings von sich. Der Angriff im „befreundeten, benachbarten und brüderlichen Land Oman“ erscheine verdächtig, sagte er. Man respektiere die Souveränität Omans.
JUST IN – American owned oil tanker struck by explosive drone boats near Iraqi waters, preliminary reports indicate — TankerTrackers pic.twitter.com/Tpu1tXje6u
— Disclose.tv (@disclosetv) March 11, 2026
Bei einem Angriff auf zwei Öltanker im Persischen Golf mit sprengstoffbeladenen iranischen Booten kam nach Angaben der irakischen Regierung mindestens eine Person ums Leben. Ein Militärsprecher erklärte, der Angriff in irakischen Hoheitsgewässern stelle eine Verletzung der irakischen Souveränität dar. Sechs Schiffe seien ausgesandt worden, um den Besatzungen der beiden Tanker zu helfen, insgesamt 38 Crewmitglieder seien geborgen worden, die Hafenverwaltung stellte den Betrieb der Ölterminals bis auf Weiteres ein.
Der UNO-Sicherheitsrat hatte bereits am Mittwoch in einer Resolution ein Ende der iranischen Angriffe auf die umliegenden Golfstaaten gefordert. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten am Donnerstagfrüh, die Luftabwehr bekämpfe erneut eine Bedrohung durch Raketen. In Dubai stürzte in der Nacht zudem eine Drohne auf ein Wohngebäude, ein Brand konnte unter Kontrolle gebracht werden, Verletzte gab es laut Behörden keine.
Saudi-Arabien gab in der Nacht bekannt, im Osten des Landes 18 Drohnen abgefangen und zerstört zu haben, darunter solche, die auf Ölfelder zielten. Das kuwaitische Verteidigungsministerium teilte mit, die Luftabwehr habe eine Reihe feindlicher Drohnen abgefangen, die in den Luftraum im Norden des Landes eingedrungen seien.
In einer Erklärung der iranischen Revolutionsgarde hieß es, gemeinsam mit der Hisbollah-Miliz seien auch in Israel mehr als 50 Ziele mit Raketen und Drohnen attackiert worden, darunter Armeestützpunkte in Haifa und Tel Aviv. Darüber hinaus seien US-Armeestützpunkte in Saudi-Arabien und Jordanien angegriffen worden.
Parallel dazu gehen die israelischen Angriffe im Libanon gegen die proiranische Hisbollah-Miliz unvermindert weiter. Nach Angaben der Armee wurden in der Nacht innerhalb von 30 Minuten in Vororten von Beirut zehn Ziele angegriffen, darunter ein Hauptquartier des Hisbollah-Geheimdienstes, die Zentrale der Eliteeinheit Radwan sowie weitere Kommandozentralen. Laut dem libanesischen Gesundheitsministerium kamen dabei mindestens sieben Menschen ums Leben, 21 weitere wurden verletzt.
Trumps Einschätzung
Die anhaltenden Angriffe auf Tanker ließen auch die Ölpreise erneut anziehen. Die Nordseesorte Brent überschritt zeitweise wieder die Marke von 100 Dollar je Fass, was 87 Euro entspricht. Trotz der Freigabe von Ölreserven durch die Internationale Energieagentur ist eine Entspannung der Lage nicht in Sicht.
Trump spielte die Gefahr hingegen herunter. Noch am Mittwoch erklärte er, Öltanker sollten die Straße von Hormus durchfahren, und er glaube nicht, dass der Iran die Gewässer vermint habe. Bei einem Wahlkampfauftritt kündigte er zudem an, die Ölpreise würden fallen – mehr „als irgendjemand versteht“ –, und die USA würden ihre strategischen Ölreserven „ein bisschen“ reduzieren. Allein die ersten sechs Tage des Krieges kosteten die USA Insidern zufolge bisher mehr als elf Milliarden Dollar, umgerechnet rund 9,8 Milliarden Euro.
Den Krieg selbst sieht Trump mit Blick auf den Iran kurz vor dem Ende. Der Konflikt werde „bald“ abgeschlossen sein, es gebe „praktisch nichts mehr, was man angreifen könnte“, zitierte ihn das US-Nachrichtenportal Axios nach einem Telefoninterview.
Das israelische Militär hingegen erklärte, es verfüge noch über eine umfangreiche Liste an Zielen im Iran.