In welchem Alter junge Erwachsene ihre Flügel ausbreiten und unabhängig von ihren Eltern leben, variiert weltweit stark. Während in einigen Ländern der Auszug aus dem Elternhaus mit der Volljährigkeit einsetzt, bleiben in anderen Kulturen die Kinder weit über diese Schwelle hinaus in der elterlichen Behausung.
Kürzlich wurde dieses vielfältige globale Phänomen von einem 28-jährigen Bosnier beleuchtet, der derzeit in den USA lebt. Er eröffnete eine Diskussion auf der Plattform Reddit, indem er die Frage aufwarf, ob es seltsam sei, dass er noch bei seinen Eltern lebt – eine Situation, die in den USA oft als ungewöhnlich betrachtet wird.
„Mit 28 Jahren lebe ich immer noch bei meinen Eltern in Amerika und habe derzeit keine Pläne, das zu ändern. Hier gilt das als ziemlich eigenartig, und es wird oft als Warnsignal angesehen, insbesondere für Männer, die noch zu Hause leben. Ich frage mich, ob das in Bosnien und anderen Ländern in der Diaspora normal ist. Früher war es üblich, aber vielleicht ist meine Generation anders“, teilte der junge Bosnier auf Reddit mit.
Ein bedeutender Aspekt in dieser Diskussion ist, dass in Ländern wie Serbien beispielsweise knapp 70% der jungen Erwachsenen noch bei ihren Eltern leben. Ein niederländischer Teilnehmer berichtete, dass er mit 19 Jahren aufgrund des Studiums von zu Hause ausgezogen ist. Die Wohnungskrise in den Niederlanden erschwert diesen Schritt jedoch zunehmend.
„Als Niederländer bin ich mit 19 ausgezogen, um zu studieren. Normalerweise ist es hier üblich, früh auszuziehen, aber die aktuelle Wohnungskrise macht das zunehmend schwieriger“, kommentierte ein Benutzer die Diskussion.
Eine interessante Perspektive wurde von einem Mann geliefert, der mit 18 Jahren zum Studium nach Österreich kam und seitdem eigenständig lebt. Er wies darauf hin, dass es oft als besorgniserregend angesehen wird, ohne stichhaltigen Grund noch bei den Eltern zu leben.
„Ich bin mit 18 Jahren für mein Studium nach Österreich gezogen und lebe seitdem vollkommen eigenständig, sowohl finanziell als auch in alltäglichen Aufgaben wie Wäsche waschen. Überall wirkt es beunruhigend, wenn man ohne triftigen Grund noch bei den Eltern wohnt“, berichtete ein anderer Reddit-Nutzer.
Zusammenleben mehrerer Generationen
Aber auch andere Lebensmodelle kamen zur Sprache. Einige Diskussionsteilnehmer leben zwar noch bei ihren Eltern, haben jedoch ihre eigene Etage im Haus. Andere zogen erst nach ihrer Hochzeit aus.
„Mit 27 Jahren lebe ich noch bei meinen Eltern, habe jedoch meine eigene Etage im Haus. Da ich die Rechnungen mit meinen Eltern teile, finde ich das nicht seltsam“, erläuterte ein weiterer Reddit-Nutzer.
Ein Einblick in die Wohnkultur Südkoreas und anderer asiatischer Länder offenbarte, dass dort das Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach keineswegs als Zeichen von fehlender Unabhängigkeit betrachtet wird, sondern als Fürsorge für ältere Familienmitglieder.
Eines ist sicher: Diese Diskussion auf Reddit verdeutlicht die Vielfalt der weltweiten Wohnkulturen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln. Daher ist es wichtig, die verschiedenen Perspektiven ohne vorschnelle Urteile zu betrachten und zu respektieren. Denn wie bereits ein Reddit-Nutzer treffend formulierte: „Alles ist eine Frage der Perspektive.“