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Familientradition

„Prva plata“: Warum vom ersten Gehalt zuerst die Familie profitiert

„Prva plata“: Warum vom ersten Gehalt zuerst die Familie profitiert
(Symbolbild FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

Der erste richtige Lohn ist da. Endlich eigenes Geld, endlich selbst entscheiden. Und trotzdem landet ein Teil davon bei vielen Balkanern nicht zuerst im eigenen Warenkorb – sondern bei Mama, Papa oder gleich beim gemeinsamen Essen.

Das erste Gehalt vergisst man nicht so schnell.

Zum ersten Mal steht auf dem Konto Geld, das man selbst verdient hat. Keine Taschengeld-Diskussion, kein „Mama, kannst du mir …?“ und kein Blick auf das Konto der Eltern.

Eigentlich wäre jetzt der perfekte Moment für neue Schuhe, ein Handy oder irgendeinen Wunsch, den man sich schon lange erfüllen wollte.

Doch in vielen Familien aus Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien oder Montenegro läuft es ein bisschen anders.

„Prva plata? Moraš častiti!“

Das erste Gehalt bedeutet nämlich nicht nur: Du hast jetzt Geld.

Es bedeutet auch: Jetzt bist du dran.

„Mama, Papa – heute zahle ich“

Für manche gehört es fast selbstverständlich dazu, die Eltern mit dem ersten Gehalt zum Essen einzuladen.

Andere kaufen Mama ein Geschenk, bringen Papa etwas mit oder stecken den Eltern einen Geldschein zu.

Nicht weil jemand danach gefragt hätte.

Sondern weil sich dieser Moment irgendwie richtig anfühlt.

Jahrelang haben die Eltern bezahlt – und plötzlich kann man selbst etwas zurückgeben.

Vielleicht nur symbolisch. Vielleicht mit einem Abendessen. Vielleicht mit einem Geschenk, das im Verhältnis zum Gehalt eigentlich viel zu teuer ist.

Aber genau darum geht es.

Jahrelang hieß es: „Pusti, ja ću“

Viele Kinder aus Diaspora-Familien wachsen mit Eltern auf, die sich selbst vieles nicht gegönnt haben.

Neue Jacke für das Kind? Natürlich.

Klassenfahrt? Wird irgendwie bezahlt.

Führerschein? Man schaut, dass es sich ausgeht.

Studium, Auto, Wohnungseinrichtung oder einfach 20 Euro, weil am Monatsende wieder nichts mehr übrig ist?

„Uzmi.“ Nimm.

Und plötzlich kommt jener Tag, an dem sich die Rollen zumindest für einen Abend umdrehen.

Der Sohn zieht im Restaurant die Karte heraus.

Die Tochter sagt: „Heute zahle ich.“

Und Papa beginnt selbstverständlich trotzdem mit dem Kellner zu diskutieren, weil er die Rechnung übernehmen will.

Der Kampf um die Rechnung beginnt früh

Vielleicht ist die „prva plata“ sogar die erste Lektion in einer Disziplin, die Balkan-Kinder ihr ganzes Leben begleiten wird:

Wer schafft es, die Rechnung zuerst zu bezahlen?

Du sagst: „Ich lade euch ein.“

Papa sagt: „Ma kakvi.“

Mama sagt: „Čuvaj pare.“

Du bestehst darauf.

Papa ist plötzlich „kurz auf der Toilette“.

Fünf Minuten später erfährst du, dass er längst beim Kellner bezahlt hat.

Erster Lohn, erste Niederlage.

Mehr als nur Geld

Hinter der ganzen Tradition steckt häufig etwas Emotionales.

Das erste Gehalt ist ein Zeichen dafür, dass aus dem Kind langsam ein erwachsener Mensch wird, der auf eigenen Beinen steht.

Für Eltern, die vielleicht selbst als junge Menschen nach Österreich gekommen sind, lange gearbeitet und vieles aufgebaut haben, kann dieser Moment besonders viel bedeuten.

Plötzlich sieht man: Das Kind, für das man jahrelang gesorgt hat, kann jetzt selbst für sich sorgen.

Und vielleicht sogar ein bisschen für die Eltern.

Natürlich behält Mama das Geld nicht

Wobei wir ehrlich sein müssen.

Selbst wenn man Mama mit dem ersten Gehalt Geld gibt, gibt es keinerlei Garantie, dass sie es tatsächlich behält.

Vielleicht landet es zwei Wochen später wieder in deiner Jackentasche.

Vielleicht steckt sie es dir vor der Heimfahrt heimlich zu.

Oder du bekommst beim nächsten Geburtstag zufällig ein Geschenk, das ungefähr denselben Betrag gekostet hat.

Balkan-Eltern haben jahrelange Erfahrung darin, Geld zurückzugeben, das man ihnen ausdrücklich schenken wollte.

Vom ersten Gehalt bleibt eine Geschichte

Ob man die Eltern einlädt, Geschenke kauft oder das gesamte Geld für sich behält, ist natürlich von Familie zu Familie unterschiedlich.

Aber gerade die erste „plata“ bleibt vielen lange im Gedächtnis.

Nicht unbedingt wegen der Summe.

Sondern wegen des Gefühls.

Zum ersten Mal sitzt du am Tisch und kannst sagen: „Pusti. Danas ja plaćam.“

Und wenn Papa dich tatsächlich bezahlen lässt, weißt du: Jetzt bist du wirklich erwachsen.

Wisst ihr noch, was ihr mit eurem ersten Gehalt gemacht habt – und habt ihr Mama oder Papa etwas davon gegeben?

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KO KOSMO-Redaktion
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