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Todesstrafe

Zwei Giftspritzen überlebt: Christa Pike kann wieder gehen

Zwei Giftspritzen überlebt: Christa Pike kann wieder gehen
FOTO: Tennessee Department of Corrections
3 Min. Lesezeit |

Zweimal injiziert, zweimal überlebt – was in Tennessee geschah, hat die US-Justiz in dieser Form noch nie erlebt.

Christa Pike ist am Leben – obwohl ihr am 30. September im Rahmen ihrer staatlich angeordneten Hinrichtung gleich zwei Dosen Pentobarbital verabreicht wurden. Die 50-Jährige verlor zwar das Bewusstsein und musste anschließend intensivmedizinisch behandelt werden, starb jedoch nicht. Nach mehreren Tagen wachte sie wieder auf – und inzwischen kann sie sogar wieder gehen. Pike gilt als erster bekannter Fall in den USA, bei dem ein zum Tode verurteilter Mensch die Verabreichung der vorgesehenen Hinrichtungsdrogen überlebt hat.

Pike war 1995 gemeinsam mit ihrem damaligen Freund Tadaryl Shipp für den Mord an der 19-jährigen Colleen Slemmer verurteilt worden. Pike war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt, Shipp 17. Während Shipp aufgrund seines Alters nicht zum Tode verurteilt werden konnte und eine lebenslange Haftstrafe erhielt, wurde Pike zum Tod verurteilt.

Pike kann wieder gehen

Nur acht Tage nach der gescheiterten Hinrichtung zeigt Pike inzwischen deutliche Fortschritte. Ihr Anwalt Stephen Ferrell bestätigte, dass sie erstmals wieder aufstehen und kurze Strecken in ihrem Krankenzimmer gehen kann. Dabei handelt es sich bislang allerdings nur um wenige Schritte – von einer vollständigen Genesung kann noch keine Rede sein.

Vor allem ihre Arme sind weiterhin schwer verletzt und nur eingeschränkt beweglich. Nach Angaben ihres Rechtsteams litt Pike zudem an einer Lungenentzündung und einem Blutgerinnsel. Auch geistig ist sie noch nicht vollständig erholt. Ihr Anwalt beschrieb ihren Zustand als teilweise „benommen“: Pike verliere mitunter den Faden und vergesse, was sie gerade tun wollte.

Dennoch ist die Entwicklung bemerkenswert: Noch wenige Tage zuvor war Pike bewusstlos, beatmet und ihr weiterer Gesundheitszustand völlig ungewiss. Inzwischen ist sie ansprechbar, spricht mit ihren Anwälten und bewegt sich wieder selbstständig im Zimmer. Ob dauerhafte körperliche oder neurologische Schäden zurückbleiben, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

Rechtliche Folgen

Die rechtlichen Konsequenzen des Vorfalls sind noch nicht abzusehen. Ein Gericht in Tennessee hat bereits angeordnet, sämtliche Beweise im Zusammenhang mit der gescheiterten Hinrichtung zu sichern – darunter Medikamente, medizinisches Material, Aufzeichnungen und Kommunikationsdaten.

Der Fall betritt auch juristisch weitgehend unbekanntes Terrain. Zwar gab es in den USA bereits gescheiterte Hinrichtungsversuche, doch bei Pike wurden die vorgesehenen Hinrichtungsdrogen tatsächlich verabreicht. Ob Tennessee einen weiteren Hinrichtungsversuch unternehmen kann und darf, dürfte deshalb Gegenstand umfangreicher rechtlicher Auseinandersetzungen werden.

Wenig Verständnis für die Situation zeigt die Mutter des Mordopfers. Sie bezeichnete die gescheiterte Hinrichtung als „Chaos“ – nach mehr als drei Jahrzehnten des Wartens auf die Vollstreckung des Todesurteils.

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KO KOSMO-Redaktion
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