Kilometerlange Staus, keine Toiletten, verderbliche Waren unter Zeitdruck – an einer EU-Außengrenze spitzt sich die Lage zu.
An der Grenze zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien herrscht Ausnahmezustand im Schwerverkehr. Lkw-Fahrer berichten in der Facebook-Gruppe Teretnjaci.ba von massiven Verzögerungen bei der Zollabfertigung und anderen Grenzkontrollen. Besonders belastend: Die sogenannte Zwischenzone zwischen beiden Ländern erstreckt sich über rund drei Kilometer – ohne jegliche sanitäre Einrichtungen.
„Die Zwischenzone ist voll. Heute ist Samstag. Was passiert mit uns, wenn wir nicht verzollt werden und dort feststecken?“, bringt einer der betroffenen Transporteure die Lage auf den Punkt.
Strukturelles Versagen
Das Konsortium Logistika Bosne i Hercegovine reagierte mit einer klaren Stellungnahme: Der neue Grenzübergang Gradiska habe zwar Erleichterung gebracht, doch ein einzelner Übergang allein löse das strukturelle Problem nicht. Notwendig sei ein funktionales Netz an Grenzübergängen.
„Kapazitäten, Bearbeitungszeiten und Prozessorganisation sind das Fundament jedes Logistiksystems. Übersteigen die tatsächlichen Warenströme die verfügbare Infrastruktur, sind Verzögerungen, Staus, steigende Kosten und ein Verlust an wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit die zwangsläufige Folge. Die Realität vor Ort zeigt unmissverständlich: In der Logistik gibt es keine Wundermittel – und eine neue Brücke ist kein Zauberstab, der jahrelange Versäumnisse über Nacht behebt“, heißt es in der Aussendung des Konsortiums.
Fehlende Kontrollen
Zusätzlich zum allgemeinen Stau sorgte zuletzt auch die phytosanitäre Abfertigung für Unmut. Frächter, deren Ladung einer Pflanzenschutzkontrolle bedarf, beklagten, dass die kroatische Seite die entsprechenden Strukturen nicht rechtzeitig eingerichtet habe – mit dem Risiko, dass verderbliche Waren schlicht verderben.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Zollstelle Gradiska samt Zolldienst, Veterinär- und weiteren Inspektionen sowie den Spediteuren nur zwischen 8 und 20 Uhr in Betrieb ist. Die Folge: Über Nacht stauen sich die Fahrzeuge, und mit Dienstbeginn am Morgen baut sich eine lange Kolonne ab – ein Rhythmus, der auch am gestrigen Tag für erhebliche Verzögerungen sorgte.