Ein Schultag in Nordfrankreich endet für einen 15-Jährigen mit dem Verlust seiner Hand – mitten in einer Protestaktion.
Bei Protesten in der nordfranzösischen Stadt Lens hat ein 15-jähriger Schüler seine linke Hand verloren. Der Vorfall ereignete sich am Montag, dem 5. Oktober, in unmittelbarer Nähe des Lycée professionnel Auguste Béhal, wo sich rund 200 bis 250 Schüler zu einer Protestkundgebung versammelt hatten. Im Zuge der Auseinandersetzungen detonierte eine von der Polizei eingesetzte sogenannte „grenade de désencerclement“ (Splittergranate zur Menschenmengenkontrolle).
Der schwer verletzte Jugendliche wurde umgehend in ein Krankenhaus in Lille gebracht. Sein Leben ist nach aktuellem Stand nicht in Gefahr.
Ermittlungen eingeleitet
Im Anschluss an den Vorfall wurde die französische Polizeiaufsicht IGPN (Inspection Générale de la Police Nationale) mit der Untersuchung des Geschehens beauftragt. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Verdachts auf Gewaltanwendung mit Verstümmelung eingeleitet.
Aus Polizeikreisen verlautete, der Schüler habe die Granate möglicherweise aufgehoben, um sie zurückzuwerfen. Staatsanwalt Etienne Thieffry mahnte jedoch zur Zurückhaltung: „Derzeit könne nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob der Jugendliche die Granate aufgehoben habe oder ob sie in seiner unmittelbaren Nähe gelandet sei.“
Landesweite Proteste
Die Ereignisse in Lens stehen im Zusammenhang mit einer landesweiten Protestwelle an französischen Schulen. Schülerinnen und Schüler machen dabei auf Missstände aufmerksam – darunter Lehrermangel, überfüllte Klassen sowie sanierungsbedürftige Schulgebäude.
Laut dem Bildungsministerium waren allein am Montag 413 Schulen von Protestaktionen betroffen. Am Lycée Auguste Béhal wurde der Präsenzunterricht infolge der Eskalation vorübergehend ausgesetzt und auf Fernunterricht umgestellt. Präfekt Francois-Xavier Lauch erklärte, „aus Teilen der Menge seien Steine, Feuerwerkskörper und andere Gegenstände in Richtung der Sicherheitskräfte geworfen worden.“