Russische Raketen treffen Kiew, zwei Menschen sterben und ein wichtiges Kraftwerk wird getroffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj erhebt danach einen brisanten Vorwurf: Die Ukraine sei von ihren Partnern nicht rechtzeitig gewarnt worden.
Bei einem russischen Angriff mit ballistischen Raketen auf Kiew am Dienstagabend wurden zwei Menschen getötet und 21 weitere verletzt. Getroffen wurden unter anderem ein neunstöckiges Wohnhaus sowie das Heizkraftwerk CHP-4, eines der wichtigen Energiezentren der ukrainischen Hauptstadt. Nach Angaben von Bürgermeister Witali Klitschko kamen die beiden Todesopfer bei dem Angriff auf das Wohngebäude ums Leben.
Selenskyjs Vorwürfe
Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte nach dem Angriff die internationalen Partner der Ukraine. Nach seinen Angaben erhielt Kiew erneut keine rechtzeitige Frühwarnung vor dem Start der ballistischen Raketen. „Wieder einmal keine Vorwarnung von unseren Partnern“, erklärte Selenskyj. Welchen Staat oder Geheimdienst er konkret dafür verantwortlich machte, sagte er nicht.
Besonders brisant: Nach Angaben des ukrainischen Präsidialamts war es bereits das zweite Mal innerhalb dieser Woche, dass die Ukraine vor einem russischen Angriff mit ballistischen Raketen keine entsprechende Frühwarnung ihrer Partner erhielt.
Nach Selenskyjs Darstellung wurden die anfliegenden Raketen von ukrainischen Systemen erst erkannt, als sie sich bereits in unmittelbarer Nähe zur Hauptstadt befanden. Frühwarnungen über den Start ballistischer Raketen seien besonders wichtig, weil sie der Bevölkerung zusätzliche Zeit geben, Schutzräume aufzusuchen, und der Luftabwehr mehr Reaktionszeit verschaffen.
Streit um Frühwarnungen
Die fehlenden Warnungen fallen in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Kiew und Washington. US-Präsident Donald Trump erklärte allerdings, dass die Vereinigten Staaten weiterhin Geheimdienstinformationen mit der Ukraine teilen. Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bestätigte, dass die Zusammenarbeit mit den USA fortgesetzt werde. Warum Kiew dennoch keine rechtzeitige Warnung vor den jüngsten Raketenangriffen erhielt, ist damit bislang nicht abschließend geklärt.
Für die Ukraine spielen westliche Geheimdienstinformationen eine zentrale Rolle bei der Früherkennung russischer Raketenstarts. Besonders bei ballistischen Raketen ist das Zeitfenster klein: Russische Iskander-Raketen können ihre Ziele in der Ukraine innerhalb weniger Minuten erreichen. Die frühzeitige Weitergabe entsprechender Informationen kann deshalb entscheidend für Luftalarm und Luftabwehr sein.