150 Millionen Menschen, Rekordtemperaturen, rote Warnungen – Europa stöhnt unter einer Hitzewelle historischen Ausmaßes.
Über weite Teile Europas liegt derzeit eine Hitzewelle, die nach Berechnungen der Nachrichtenagentur AFP am Freitag mindestens 150 Millionen Menschen zeitweise Temperaturen von mehr als 35 Grad aussetzen wird. Am stärksten betroffen sind Deutschland, Frankreich und Italien.
Das Zentrum der Hitzebelastung verschiebt sich dabei zunehmend in Richtung Deutschland: Rund 82 Millionen Menschen werden dort Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke erleben, für mehr als 52 Millionen könnten die Werte sogar über 35 Grad klettern. In Frankreich werden für etwa 34 Millionen Menschen ähnlich hohe Temperaturen prognostiziert, in Italien sind rund 17 Millionen betroffen, in den Niederlanden etwa 15 Millionen.
Rote Warnungen
Bemerkenswert ist, dass die Niederlande zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine rote Hitzewarnung herausgegeben haben. Auch Ungarn, Belgien und Luxemburg zählen zu jenen Ländern, in denen die Temperaturen ein gefährliches Niveau erreichen können.
Österreich ist ebenfalls von der Extremhitze erfasst: Laut ORF und GeoSphere Austria gilt für Teile des Landes am Wochenende die höchste Warnstufe. Betroffen sind unter anderem Wien, Teile Niederösterreichs, das Nordburgenland sowie Regionen rund um Linz, Graz, Klagenfurt und Villach. In einzelnen Gebieten sind Temperaturen nahe 40 Grad möglich.
Zur Belastung tragen nicht allein die Höchstwerte am Tag bei – besonders problematisch sind auch die Nächte, in denen die Temperaturen kaum sinken. Bleibt die nächtliche Abkühlung aus, steigt das Risiko für Kreislaufprobleme, Erschöpfung und Hitzestress erheblich an, vor allem bei älteren Menschen, Kindern, Kranken sowie Personen, die ihrer Arbeit im Freien nachgehen müssen.
In Großstädten dürfte die tatsächliche Hitzebelastung noch über den berechneten Werten liegen, da sogenannte urbane Hitzeinseln in meteorologischen Modellen nur unzureichend abgebildet werden können. Asphalt, Beton und dichte Bebauung nehmen tagsüber Wärme auf und geben sie in der Nacht wieder ab – Städte bleiben dadurch oft deutlich wärmer als das umliegende Land.
Klimawandel als Ursache
Die Weltorganisation für Meteorologie weist darauf hin, dass die aktuelle Hitzewelle bereits zahlreiche Temperaturrekorde gebrochen hat. Nach Daten des EU-Klimawandeldienstes Copernicus war der Juni 2025 in Westeuropa mit einer durchschnittlichen Temperatur von 20,49 Grad Celsius der heißeste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen – knapp über dem bisherigen Rekord aus dem Juni 2003. Die Folgen sind weitreichend: Sie reichen von gesundheitlicher Belastung der Bevölkerung über Einbußen in der Landwirtschaft bis hin zu erhöhter Waldbrandgefahr und Schäden an der Infrastruktur.
Forschende der World Weather Attribution sehen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dieser Hitzewelle und dem menschengemachten Klimawandel. Wie der ORF berichtet, wäre eine Hitzewelle dieser Intensität im Juni vor fünfzig Jahren in dieser Form kaum denkbar gewesen – die heute gemessenen Temperaturen fallen deutlich höher aus, weil sich die Erde bereits erheblich erwärmt hat.
Fachleute empfehlen, körperliche Anstrengung in den Mittagsstunden zu meiden, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, Wohnräume möglichst früh morgens zu lüften und gefährdete Personen regelmäßig zu kontaktieren.