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Jugendprozess

Prozess in Wien: Jugendgruppe wegen rund 200 Straftaten vor Gericht

Prozess in Wien: Jugendgruppe wegen rund 200 Straftaten vor Gericht
FOTO: iStock/Oleg Elkov
3 Min. Lesezeit |

Rund 200 Straftaten, sieben Angeklagte, ein toxischer Freundeskreis – Wien-Favoriten beschäftigt gerade das Landesgericht.

Jugendkriminalität stellt Wien vor erhebliche Herausforderungen: Die Kriminalstatistik verzeichnete im Vorjahr einen Anstieg um 10,7 Prozent, insgesamt wurden 23.776 Fälle mit Tatverdächtigen unter 21 Jahren erfasst. Einbrüche und Körperverletzungsdelikte dominieren dabei das Bild. Als häufige Ursachen gelten Perspektivlosigkeit und Langeweile – Faktoren, die auch bei einer Jugendgruppe aus Wien-Favoriten eine Rolle gespielt haben sollen.

Am Montag, dem 27. April, mussten sich die Mitglieder dieser Gruppe vor dem Wiener Landesgericht verantworten. Die Anklagepunkte sind umfangreich und schwerwiegend: Raub, Einbrüche, schwere Körperverletzung und gewerbsmäßiger Diebstahl stehen im Raum. Rund 200 Straftaten werden der Gruppe insgesamt zur Last gelegt.

Ein Teil der Delikte soll bereits vor Erreichen der Strafmündigkeit begangen worden sein. Unter den sieben Angeklagten befinden sich vier syrische Staatsangehörige sowie je ein Jugendlicher aus Russland, der Slowakei und Afghanistan. Der überwiegende Teil der 14- bis 18-jährigen Angeklagten befindet sich in der Jugendstrafanstalt Münnichplatz und erschien mit rund 30 Minuten Verspätung im Verhandlungssaal.

Brutale Übergriffe

Das Aktionsgebiet der Gruppe erstreckte sich über weite Teile der Stadt. In der Millennium City sollen die Jugendlichen einem Gleichaltrigen unter Androhung von Gewalt Markenkleidung abgenommen haben. In einem weiteren Fall wurde ein Opfer laut Staatsanwältin in einen dunklen Bereich gelockt und dort mit Fußtritten und Schlägen gegen den Kopf traktiert – die Täter sollen die Attacke mit ihren Mobiltelefonen gefilmt haben.

Mit Nothämmern sollen die Jugendlichen Schaufensterscheiben von Geschäften sowie Scheiben von Taxis, Fahrzeugen, Apotheken und Lokalen eingeschlagen haben, um Mobiltelefone, Laptops oder Bargeld zu entwenden. Nach einem Einbruch in eine Trafik sollen sie einen Zeugen mit einer Schreckschusspistole bedroht haben. Handyshops wurden wiederholt zum Ziel – auch wenn dabei häufig nichts gestohlen wurde, war der angerichtete Sachschaden dennoch beträchtlich.

Geständnisse im Saal

„Das ist ein toxischer Freundeskreis, die ziehen sich alle runter“, erklärte der Verteidiger des Erstangeklagten. Die meisten Jugendlichen zeigen sich geständig, können sich jedoch nicht mehr an sämtliche Taten erinnern. Zwei der Angeklagten werden allein 120 Einzeldelikte zugerechnet.

Der 17-jährige Afghane, der 16-jährige Slowake, der 15-jährige Russe sowie die vier syrischen Jugendlichen im Alter von 16 und dreimal 14 Jahren legten überwiegend Geständnisse ab. Auf die Frage der Richterin nach dem Motiv antwortete ein Beschuldigter lediglich: „Ich weiß es nicht.“ Ein Urteil wird erwartet, die Unschuldsvermutung gilt.

Die Verhandlung wurde mehrfach durch Freunde der Angeklagten gestört, die daraufhin von Justizwachebeamten des Saales verwiesen wurden.

Einige der Verwiesenen akzeptierten dies nicht und riefen lautstark in den Verhandlungssaal.

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KO KOSMO-Redaktion
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