Schweizerhaus: Wie aus einem einfachen Streit ein Rassismus-Skandal wurde

DEBATTE

Schweizerhaus: Wie aus einem einfachen Streit ein Rassismus-Skandal wurde

2555
Stelze
Ein Zwischenfall im berühmten Wiener Restaurant sorgte in den vergangenen Tagen für einen regelrechten Shitstorm auf Facebook und co. (FOTO: Wikimedia Commons/Clemens Pfeiffer)

Der Streit um eine „zu fettige Stelze“ eskaliert im Schweizerhaus. Zehn Personen waren involviert und fanden sich in einer Schlägerei wieder, in der auch ein afroamerikanischer Mann verletzt wurde. Die Social-Media-Welt brodelt, doch hatte dieser Streit tatsächlich einen rassistischen Hintergrund?

In einem Twitter-Post macht eine Frau ihrem Frust freien Lauf. Sie schreibt über ihren Besuch des Schweizerhauses am Samstagabend (4. August). Sie schildert, dass sie mit ihrem Ehemann, einem afroamerikanischen US-Amerikaner, ihrem Bruder, sowie Neffen und einer Freundin im Lokal war. Nachdem ihre Bruder seine Stelze aufgrund von Qualitätsmängel – sie bestand aus „90 Prozent Fett“ – reklamieren wollte, weigerte sich der Chefkellner die Beschwerde anzunehmen.

LESEN SIE AUCH: Rassistisches Mail eines Agrar-Funktionärs: „Ich kaufe nichts bei Türken“

Ein Agrar-Funktionär schockierte mit einem rassistischen Mail den Chef einer Welser Baustofffirma.

(FOTO: Screenshot-Twitter)

„Neger“ & „Hurensohn“
Die Besucherin schildert weiter, dass es daraufhin zu verbalen Auseinandersetzungen kam und „5 Hooligan-Kellner“ auf ihren Bruder stürmten und schlugen. Daraufhin griff ihr Mann ein und wurde von weiteren Kellnern geschlagen und zu Boden gedrückt. Sie beschimpften ihn außerdem als „Neger“ und „Hurensohn“. Die Besucherin betonte, dass niemand der anwesenden Gäste helfen wollte und sie mit dem Rettungswagen ins Spital fahren mussten, da ihr Mann verletzt wurde. Sie spricht von einer rassistischen Attacke und bittet alle Lesen die Nachricht zu teilen.

Prellungen und Risse
Insgesamt gab es bei dem Vorfall vier Verletzte. Zwei Kellner klagten über Kieferschmerzen und erlitten Prellungen im Gesicht. Der Ehemann der Besucherin hatte einen Riss am Knie und wurde ins Krankenhaus – wie beschrieben – eingeliefert. Die zwei Angestellten verzichteten laut der anwesenden Rettungskräften auf eine medizinische Behandlung.

Spaltung in den Sozialen Medien
Während ihr Post von einigen Lesern viel Zuspruch bekam, waren andere User eher sekptisch. Die Tatsache, dass die Kellner plötzlich auf die Gäste „eingedroschen“ hätten, war etwas unglaubwürdig. Auch das Schweizerhaus, sowie die Qualität der Stelzen wurde in Schutz genommen, denn viele Personen auf Twitter, Facebook & Co. berichtet davon, dass es bisher keine Vorfälle bei ihren Besuchen gab. Eher wird hier darauf verwiesen, dass man oftmals die Rassismus-Karte spielt, falls es nicht nach dem Kopf der Betroffenen geht.

LESEN SIE AUCH:

Stellungnahme des Schweizerhauses
Am Dienstag meldete sich der Chef des Schweizerhauses, Karl Kolarik, zu Wort. Seine Sichtweise unterschied sich jedoch drastisch von den geschilderten Situation der Besucherin. Er bestätigte, dass die mangelnde Qualität der Stelze der Auslöser für den Streit war, doch dass sich der ganze Abend etwas anders abgespielt hätte.

„Zuerst hat der Gast dem Kellner das Tablett ans Kinn geworfen, sodass dieser danach ins Spital musste. Dann hat der Gast mit Tellern und Tabletts herumgeworfen. Dann hat der Afroamerikaner den Tisch genommen und ihn in die Höhe geworfen samt Tellern und Bierkrügen. Kellner haben ihn zum Schutz der Gäste niedergedrückt, das war es eigentlich“, erklärt Kolarik gegenüber oe24.TV. Die Rassismus-Vorwürfe weist der Restaurantchef ab, denn in seinem Lokal arbeiten 40 Nationen ohne Probleme zusammen.

Offene Fragen bleiben
Am Ende der Geschichte bleiben nur zerbrochene Teller, verletzte Personen und die Tatsache, dass Aussage gegen Aussage steht. Wer den Streit begonnen hat und wer nicht, wird bis auf weiteres noch unklar bleiben. Das Schweizerhaus trägt hier auf jeden Fall einen Schaden an ihrem Image davon, welches ihnen einige Kunden kosten könnte. Ob es neue Enthüllungen zu diesem brisanten Fall geben wird, bleibt abzuwarten.