Nach 28 Jahren WM-Pause meldet sich Österreich zurück – mit einem Sieg, der mehr Fragen aufwirft als er beantwortet.
Drei Punkte, ein Aufatmen, eine Warnung. Österreich ist zurück auf der großen Fußballbühne – und hat seinen WM-Auftakt gegen Jordanien mit 3:1 gewonnen. Nach 28 Jahren Abstinenz von einer Weltmeisterschaft bewies das Team von Ralf Rangnick in Santa Clara Charakter und Nervenstärke. Romano Schmid traf sehenswert zur Führung, Ali Ulwan glich für den WM-Debütanten aus, ehe ein Eigentor von Jasan Al-Arab und ein später Elfmeter von Marko Arnautovic den Sieg für das ÖFB-Team sicherstellten.
Dabei hatten die Jordanier von der ersten Minute an klargemacht, dass sie nicht als Staffage für die österreichische Rückkehr auf die WM-Bühne gedacht waren. Der Außenseiter agierte mutig, störte früh und schaltete schnell um. Vor allem Mousa Al-Taamari und Ali Ulwan brachten die österreichische Abwehr immer wieder in Bedrängnis – und zeigten, dass dieser WM-Debütant durchaus für Unruhe sorgen kann.
Historisches Schmid-Tor
Das erste österreichische Ausrufezeichen setzte Romano Schmid in der 20. Minute. Der Mittelfeldspieler zog aus rund 20 Metern ab und traf unhaltbar ins Kreuzeck. Ein Tor zum Genießen – und mehr als das: Es war der erste österreichische WM-Treffer seit dem letzten Turnier 1998, ein Moment mit historischem Gewicht.
Doch die Führung brachte keine Beruhigung. Jordanien blieb gefährlich, Österreich wirkte anfällig, und kurz nach Wiederanpfiff folgte der verdiente Ausgleich. Ali Ulwan traf in der 50. Minute – und schrieb dabei selbst Geschichte: Es war das erste WM-Tor überhaupt für Jordanien. Für die Rangnick-Elf war es ein deutliches Signal, denn in dieser Phase fehlten Ideen und Sicherheit gleichermaßen.
Arnautovic entscheidet
Rangnick handelte. Marko Arnautovic, zu Spielbeginn überraschend auf der Bank geblieben, war bereits zur Halbzeit für Sasa Kalajdzic ins Spiel gekommen. Später folgte ein Dreifachwechsel, der dem österreichischen Spiel neue Stabilität verlieh. Ein vermeintlicher Arnautovic-Treffer wurde nach VAR-Überprüfung wegen Handspiels aberkannt – doch Österreich ließ sich nicht beirren. In der 76. Minute fiel die erneute Führung: Nach einem Eckball lenkte Jasan Al-Arab den Ball ins eigene Netz.
Den Deckel drauf machte Arnautovic in der langen Nachspielzeit. Der ÖFB-Rekordtorschütze verwandelte einen Handelfmeter eiskalt zum 3:1 – und sorgte damit für den ersten österreichischen WM-Sieg seit 1990. Der bisher letzte Sieg Österreichs bei einer Fußball-Weltmeisterschaft vor dem 3:1 gegen Jordanien war ein 2:1-Erfolg gegen die USA bei der WM 1990 in Italien. Das Endergebnis klingt deutlicher, als das Spiel es war.
Trotzdem ist dieser Dreier in der Gruppe mit Titelverteidiger Argentinien, Algerien und Jordanien von erheblichem Wert. Im neuen WM-Format, bei dem neben den Gruppen-Ersten und Zweiten auch die acht besten Gruppendrittplatzierten weiterkommen, kann ein Auftaktsieg bereits wegweisend sein.
Am Montag folgt die nächste Prüfung, und sie fällt deutlich schwerer aus: Weltmeister Argentinien wartet.