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REPORTAGE

Die Armen finanzieren die Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem

Die Armen finanzieren die Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem
(Foto: iStock)
14 Min. Lesezeit |

Es wird immer schwerer…

Bei unseren weiteren Recherchen fragten wir Menschen unserer Herkunft, mit welchen Problemen sie im Gesundheitssystem konfrontiert sind. Leider trauen sie sich nicht, offen mit einer Zeitschrift zu sprechen, da sie Konsequenzen fürchten. Dennoch haben wir einige ihrer Aussagen anonym aufgenommen.

Aida (68): „Ich bin seit Jahrzehnten Diabetikerin und halte die Krankheit mit Tabletten unter Kontrolle. Leider teilte mir mein Hausarzt eines Tages mit, dass er mir ein Medikament aus der Gruppe der Generika verschreiben müsse, da er für das, das ich seit Jahren einnehme, jeden Monat eine Bewilligung von der Krankenversicherung (ÖGK) einholen müsse und es leider keine Garantie gäbe, dass ich die erhalten würde. Der Doktor behauptet, dass es sich dabei um ein Medikament gleicher Zusammensetzung handelt, aber ich bin davon nicht überzeugt, denn ich weiß, dass der Preisunterschied groß ist.“

Martina (38): „Ich habe drei Kinder, von denen das kleinste zwei Jahre alt und von sehr zarter Gesundheit ist. Ich frage mich, ob irgendjemand in diesem Land weiß, wie teuer Behandlungen für Kinder sind?! Neben einer streng geregelten Diät gibt es auch die Säfte gegen Husten und alle seine Begleitprobleme nicht auf Rezept und dasselbe gilt für die Cremes und Salben für seine problematische Haut. Außerdem bin ich gezwungen, mit ihm zu einem privaten Kinderarzt zu gehen, denn in einer Kassenpraxis ist es fast unmöglich, einen Termin zu bekommen. Der Arzt stellt mir eine Rechnung aus, aber die Summe, die ich von der ÖGK zurückbekomme, ist verschwindend gering.“

Petar (52): „Infolge eines Diabetes des Typs 2 sind bei mir viele Begleitprobleme aufgetreten und aufgrund meines Übergewichts hatte ich im vergangenen Jahr einen leichten Schlaganfall. Zum Glück habe ich den gut überstanden, aber ich habe beschlossen, endlich meine Grunderkrankung in den Griff zu bekommen. Ich habe erfahren, dass mir dabei das Präparat ’Ozempic’ helfen kann, und habe meine Hausärztin um ein Rezept dafür gebeten. Sie schickte einen Antrag auf Bewilligung an die ÖGK, aber nach einer halben Stunde kam eine negative Antwort.

Die Ärztin sandte daraufhin noch eine ausführlichere Begründung und suchte erneut an, aber noch am selben Tag kam die zweite Ablehnung. Dasselbe passierte auch in den folgenden zwei Monaten, also habe ich begonnen, das Medikament über einen Freund privat in Serbien zu kaufen. Es hilft mir sehr, denn ich habe mein Gewicht schon drastisch reduzieren können und damit sind auch meine Zuckerwerte unvergleichlich besser geworden. Ich fürchte mich schon vor dem Tag, an dem ich ’Ozempic’ nicht mehr aus Serbien bekommen kann.

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KO KOSMO-Redaktion
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