Ärzte und Apotheker schweigen
Kein einziger Arzt unserer Herkunft war in Wien bereit, öffentlich über dieses Thema zu sprechen. Das lässt sich ihnen nicht verübeln, denn es würde ihnen sicher Probleme mit der ÖGK eintragen, die ihr offizieller Arbeitgeber ist. In privaten Gesprächen bestätigen sie unsere Informationen über die drastischen Sparmaßnahmen und über die Verpflichtung, Medikamente aus der Gruppe der Generika zu verschreiben. Als wir einige von ihnen nach ’Ozempic’ fragten, das eigentlich für Diabetiker entwickelt wurde, sagte uns nur ein Arzt, dass er von der ÖGK die Anweisung erhalten habe, es neuen Patienten nicht zu verschreiben. Er fügte allerdings hinzu, dass dieses Medikament von Personen missbraucht werde, die aus rein ästhetischen Gründen abnehmen wollen.
Auf eine Mauer des Schweigens stießen wir auch bei den Apothekern, obwohl wir inoffiziell erfuhren, dass auch für sie die vermehrte Verschreibung von Generika aufgrund des niedrigen Preises geschäftsgefährdend ist. Eine der Folgen der Wirtschaftskrise ist der sinkende Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln und anderen Präparaten, die man ohne ärztliches Rezept erhält.
Was sind Generika?
Offiziell sind dies „Kopien“ älterer, bekannter und bewährter Präparate. Nach Ablauf des Patentschutzes ist es auch anderen Pharmafirmen erlaubt, Medikamente mit denselben Wirkstoffen zu produzieren, die dann Generika heißen. Sie entsprechen dem originalen Präparat hinsichtlich der Mengen und der Wirkung der Wirkstoffe, und normalerweise kann ein Originalmedikament ohne Probleme durch ein entsprechendes Generikum ersetzt werden. Da diese Medikamente von Anfang an keine Entwicklungskosten verursachen, sind sie für die Produzenten billiger herzustellen, als die Entwicklung der Originalpräparate war, was zur Kostensenkung im Gesundheitssystem beiträgt. Das heißt, die Wirkstoffe sind identisch, aber das gilt nicht für sonstige Inhaltsstoffe, die für die Produktion der Tabletten, Kapseln etc. verwendet werden.