Im Schutz der Dunkelheit, in Schutzanzügen, mit strengen Protokollen: Die Bergung einer Hantavirus-Toten sorgt für ein beklemmend präzises Bild.
Rotterdam (Niederlande) – Die Abenddämmerung hatte sich über den Hafen von Rotterdam gelegt, als kurz nach 22 Uhr zwei Bestatter in hellblauen Schutzanzügen mit einem Leichensack an Bord der „Hondius“ gingen. Gemeinsam mit fünf Crewmitgliedern begaben sie sich ins Innere des Kreuzfahrtschiffs, um die verstorbene Deutsche zu bergen.
Gefährliches Virus mit unterschiedlichen Verläufen
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlaufen Infektionen mit Hantaviren je nach Virustyp bei rund einem Prozent (Hantavirus-induziertes Hämorrhagisches Fieber mit Renalsyndrom/HFRS) bis zu rund 40 Prozent der Fälle (Hantavirus-Lungensyndrom/HPS) tödlich. WHO und ECDC erklären übereinstimmend, dass Hantaviren vor allem über das Einatmen von Aerosolen oder Staub übertragen werden, die mit Ausscheidungen (Urin, Kot, Speichel) infizierter Nagetiere verunreinigt sind, und dass Mensch-zu-Mensch-Übertragungen nur in Ausnahmefällen bei bestimmten Viruslinien beschrieben wurden.
Den Behörden zufolge war von Anfang an vorgesehen, dass ein spezialisiertes Bestattungsunternehmen die Leiche direkt vom Schiff übernimmt. Wie Yvonne van Duijnhoven, Leiterin der Gesundheitsbehörde der Region Rotterdam-Rijnmond, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte, wird die Verstorbene in enger Abstimmung mit ihrer Familie unverzüglich in ein Krematorium in der Nähe des Amsterdamer Flughafens Schiphol überführt und dort eingeäschert. Die Urne mit der Asche soll anschließend den Angehörigen übergeben werden.
Crew unter Quarantäne
Ab dem Montagnachmittag durften 22 der verbliebenen 27 Crewmitglieder sowie Ärzte – ausgestattet mit Schutzanzügen und Atemschutzmasken – das Schiff verlassen. Obwohl bei keinem von ihnen bis zuletzt Krankheitssymptome aufgetreten waren, wurden sie nach dem Verlassen der „Hondius“ verpflichtend unter Quarantäne oder in Selbstisolation gestellt. Im Vorfeld war dafür eigens ein Containerdorf im Hafen von Rotterdam errichtet worden.
Stunden nach der Ankunft des Schiffes verließen die 22 Personen nach und nach das Kreuzfahrtschiff. Für den Umgang mit dem Leichnam gelten strenge Hygiene- und Schutzvorschriften, die Ärzte, Pathologen und Bestatter gleichermaßen betreffen. In Deutschland kommen dabei die allgemeinen Regelungen des Infektionsschutzgesetzes sowie die jeweiligen Bestattungsgesetze der Bundesländer zur Anwendung.
Zu den üblichen Maßnahmen zählen das Tragen von Schutzkleidung und gegebenenfalls FFP-Masken. Eine hermetisch abgedichtete Sonderbestattung, wie sie etwa bei Ebola-Fällen vorgeschrieben ist, ist beim Hantavirus in der Regel nicht notwendig. Dennoch ist es den Angehörigen offenbar nicht gestattet, die Verstorbene vor der Einäscherung noch einmal zu sehen.
Bergung im Dunkeln
Bei Verstorbenen, die an gefährlichen Infektionskrankheiten gelitten haben, greifen häufig besondere Schutzregeln – abhängig davon, in welchem Maß der Erreger auch nach dem Tod noch ansteckend sein kann. Das Hantavirus kann in Körperflüssigkeiten, Gewebe und Blut weiterhin vorhanden sein. Die Leiche wird deshalb unmittelbar im Krematorium verbrannt.
Die Crewmitglieder waren nach der Evakuierung der Passagiere an Bord zurückgeblieben – ebenso wie der Leichnam der an den Folgen einer Hantavirus-Infektion gestorbenen Deutschen. Unter dem Schutz der Dunkelheit wurde er schließlich von Bord gebracht: Um 22.26 Uhr trugen die Bestatter den Leichensack eine steile, schmale Treppe hinunter auf eine Brücke.