Späte Tore, gebrochene Herzen und eine politische Provokation – Argentiniens Halbfinalsieg über England sorgt weit über den Fußball hinaus für Schlagzeilen.
Ein dramatisches Comeback gegen England – besiegelt durch späte Treffer von Enzo Fernández und Lautaro Martínez – katapultierte die Albiceleste ins Endspiel. Das Halbfinale am 15. Juli 2026 im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta endete mit 2:1 für den Titelverteidiger. Anthony Gordon hatte England in der 55. Minute in Führung gebracht, bevor Enzo Fernández in der 85. Minute ausglich und Lautaro Martínez in der 90.+2 Minute den entscheidenden Kopfball versenkte. Lionel Messi bereitete beide Treffer vor.
Wenn Argentinien am Sonntag im Finale auf Europameister Spanien trifft, bleibt England lediglich das Spiel um Platz drei gegen Frankreich. Der Traum vom ersten Weltmeistertitel seit 1966 platzte innerhalb weniger Minuten. Besonders bitter: Nach der Führung zog sich die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel immer weiter zurück und überließ Argentinien zunehmend die Kontrolle.
Falkland-Banner sorgt für politischen Eklat
Doch nach dem Schlusspfiff rückte nicht nur Argentiniens spektakuläre Aufholjagd in den Mittelpunkt. Während der Feierlichkeiten auf dem Spielfeld hielten die argentinischen Nationalspieler Lisandro Martínez und Giovani Lo Celso ein Banner mit der Aufschrift „Las Malvinas son Argentinas“ – „Die Falklandinseln sind argentinisch“ in die Höhe. Die Aktion wurde als gezielte politische Botschaft an England verstanden und könnte für den argentinischen Verband Konsequenzen haben.
Die FIFA verbietet in ihrem Verhaltenskodex politische Banner, Fahnen und andere politische Botschaften innerhalb der Stadien. Eine offizielle Entscheidung über ein mögliches Disziplinarverfahren lag zunächst nicht vor. Großbritanniens Wirtschaftsminister Peter Kyle bezeichnete das Verhalten der Spieler als unangemessen und forderte die FIFA zu einer gründlichen Untersuchung auf. Bereits 2014 war der argentinische Verband wegen eines nahezu identischen Malvinas-Banners mit einer Geldstrafe belegt worden.
Angeheizt worden war die Stimmung bereits vor dem Spiel durch Argentiniens Vizepräsidentin Victoria Villarruel. Sie bezeichnete die Engländer in einem Beitrag als „Invasoren“ und „usurpierende Piraten“ und erklärte, die Begegnung sei „nicht nur irgendein Spiel“. Dazu veröffentlichte sie ein Bild eines argentinischen Trikots auf dem Grab eines im Falklandkrieg gefallenen Soldaten. Nach dem Sieg teilte sie außerdem ein Video mit Aufnahmen argentinischer Soldaten und erneut das Foto der Mannschaft mit dem umstrittenen Banner.
Dabei hatte Trainer Lionel Scaloni vor der Partie noch versucht, Fußball und Politik klar voneinander zu trennen. Die Vermischung beider Bereiche bezeichnete er als „Wahnsinn“. Seine Spieler setzten nach dem Abpfiff jedoch ein völlig anderes Zeichen. Die Falklandinseln, in Argentinien Malvinas genannt, stehen unter britischer Kontrolle, werden aber weiterhin von Argentinien beansprucht. Im Jahr 1982 führten beide Länder einen Krieg um die Inselgruppe.
Englands Presse rechnet mit Tuchel ab
Auch sportlich fallen die Reaktionen der internationalen Presse deutlich aus. Auf der Insel dominieren Schmerz und Kritik. Die „Daily Mail“ schreibt: „Es ist schon wieder passiert. Es ist weiterer Schmerz für England.“ Die Zeitung erinnert daran, dass die Three Lions nun auch ihr drittes WM-Halbfinale in Folge verloren haben.
Der „Daily Star“ macht vor allem Thomas Tuchels taktische Entscheidungen für den Zusammenbruch verantwortlich. Nach der Führung habe sich England zu früh zurückgezogen und Argentinien dadurch immer mehr Raum überlassen. Die „Sun“ titelt: „Martínez’ Kopfball bricht das Herz der Three Lions.“ Der „Guardian“ bezeichnet die Argentinier dagegen als „Mentalitätsmonster“, die erneut einen beinahe verlorenen Kampf gedreht hätten.
Argentinien feiert einen Sieg für die Ewigkeit
In Argentinien kennt die Euphorie dagegen keine Grenzen. „La Nación“ spricht von einem „Triumph für die Ewigkeit“ und vom besten Spiel der Argentinier bei dieser Weltmeisterschaft. „Clarín“ schwärmt vom Sturmlauf in den letzten Minuten, während „Crónica“ den Finaleinzug als Ergebnis von Leiden, Kampfgeist und Herz beschreibt.
„La Capital“ feiert die Albiceleste für eine Lektion in „Fußball und Mut“. Die Sportzeitung „Olé“ bezeichnet die Mannschaft als Helden einer historischen Aufholjagd. Zehntausende Menschen strömten nach dem Abpfiff trotz winterlichen Regens auf die Straßen von Buenos Aires, um den Sieg über den historischen Rivalen zu feiern.
Messi liefert die entscheidenden Momente
Im Mittelpunkt der internationalen Pressestimmen steht erneut Lionel Messi. Der mittlerweile 39-Jährige blieb über weite Strecken der Partie unauffällig, bereitete in der entscheidenden Schlussphase jedoch beide argentinischen Treffer vor. „Mundo Deportivo“ schreibt, Messi habe die Mannschaft nach dem Rückstand auf seine Schultern genommen. Die spanische Zeitung „Sport“ bezeichnet ihn als „unbesiegbar“, „Le Parisien“ als Argentiniens ewigen Anführer.
Auch in Italien wird vor allem das Zusammenspiel zwischen Messi und Lautaro Martínez gefeiert. Die „Gazzetta dello Sport“ hebt Messis zwei Vorlagen und Lautaros Siegestor hervor. „Tuttosport“ kürt den Inter-Stürmer zum „Goldenen Stier“, während das „Corriere della Sera“ von einem unglaublichen Comeback spricht.
fragt „The Athletic“, ob Tuchel mit seinen defensiven Wechseln den englischen Zusammenbruch selbst verursacht habe. Die spanischen Medien blicken derweil bereits auf den nächsten großen Showdown: Im WM-Finale trifft Titelverteidiger Argentinien auf Europameister Spanien. Überschattet wird die Vorfreude allerdings von der Frage, ob die FIFA nach dem politischen Falkland-Banner noch vor dem Endspiel gegen den argentinischen Verband vorgehen wird.